Ein Hoch auf die Stoffwindel!

Die Stoffwindel ist ein trauriges Beispiel für eine Sache, die zwar jeder kennt, aber vielerorts schon allein deswegen in Vergessenheit geraten ist, weil die Einweg-Werbung lauter schreit als jegliche Vernunft.

Wir sind überzeugte Stoffwindelnutzer. Kein Plastik. Keine Weichmacher. Kein Chemiegestank (bei dem Geruch einer Pampers wird mir übel!). Kein Abfall, wenig Kosten. Weiche, bunte Biobaumwolle. Keine allergischen Reaktionen oder wunde Stellen. Kein Auslaufen, die hält Nachts 12 Stunden dicht. Mein Mann sagt gerade, ich solle auch noch „explizit sagen, dass man nicht riecht, wenn die Windel vollgesch… ist!“.

Warum man überhaupt die Einwegvariante wählt ist mir wohl genauso schleierhaft wie vielen anderen die Vorstellung, mit Stoff zu wickeln. Es gäbe da aber vor allem 2 Faktoren zu berücksichtigen. Den Umweltfaktor:

Der Müllberg, den ein zweieinhalbjähriges Wickelkind hinterlässt, wäre aufgestapelt etwa 5 Meter hoch und fast 1 Tonne schwer. Und er bleibt uns mit seinem 65%igen Holzfaser- und Plastikanteil rein substanziell mindestens 55 (und bis zu 500) Jahre erhalten. Dazu kommt noch die Verpackung der Einwegwindeln (die aber wenigstens in den letzten Jahren stetig geschrumpft ist). Dennoch reicht es im Schnitt zu angeblich 5% des deutschen Müllaufkommens, in manchen Städten zu sage und schreibe 10%.

Quelle

In Österreich z.B. gibt es sogar schon eine Art der staatlichen Subventionierung für Stoffwindelnutzer, um die Müllberge im Zaum zu halten.

Bleibt noch der Kostenfaktor. Welche junge Familie freut sich nicht, wenn Gutes weniger kostet? Abgesehen davon, dass man Stoffwindeln natürlich auch gebraucht kaufen kann, kostet eine Neuanschaffung von 20 mitwachsenden Stoffwindeln, die mittlerweile wie ihre Einwegvetter zu benutzen sind, 300 Euro (die hier sind sehr zu empfehlen).

Gehen wir davon aus, dass ein Baby täglich 8 Windeln verbraucht und diese 20 Cent das Stück kosten. Das sind 1,60 Euro täglich. Da haben sich die Stoffwindeln nach einem halben Jahr schon mehr als gelohnt…

Für Neugeborene bis 2 Wochen und Frühgeborene empfehle ich trotzdem die gefaltete Mullwindel (zumindest tagsüber). Mullwindeln sind ohnehin als Spuck- und Schnuffeltücher unerlässliche Begleiter. Hier sieht man, wie sie zu falten sind.

Auf der etwas unübersichtlichen, aber gut durchdachten Seite http://www.naturwindeln.de findet man alle gängigen Stoffwindelarten, Preise, Vergleiche und Bewertungen von Imse Vimse, Totsbots, Bumgenius, Popolini…

Man kann entweder kompostierbare Vlieseinlagen (im Karton ohne Plastik) reintun, welche man waschen kann. Sollte die Windel wirklich voll sein, wird das Windelvlies im Klo entsorgt. Oder man verzichtet darauf und spült die Windel mit einer Windeldusche aus (wir haben uns für Ersteres entschieden).

Die Mullwindeln trocknen sehr schnell; dickere Stoffwindeln brauchen 2 Tage auf der Wäscheleine. Sie können zwar auch in den Wäschetrockner, aber solch ein Gerät schadet m.E. mehr als es nützt. Wer sich vor dem Windelwaschen ekelt, findet sicher einen Windeldienst wie diesen hier ganz in der Nähe.

Zum Wischen nehmen wir nur dünne Flanellwaschlappen und kaltes, frisches Wasser. Da sparen wir also auch ordentlich. Und wenn die letzte Tube Wundschutzcreme alle ist (wir haben sie zur Geburt in Massen geschenkt bekommen), wird auch diese einfach selbst gemacht.

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28 responses to this post.

  1. Hallo,
    bei mir sind es jetzt zwar schon fast 20 Jahre her als Windeln gebraucht wurden; dennoch kann ich Deine Meinung gut nachvollziehen. Ich hatte damals einen Stoffwindel-Service genutzt (Name leider vergessen) Die Technik des Windels war wie bei der „Pampers“ jedoch alles ungefärbe Baumwolle. Die Einlagen habe ich aus hygienschen Gründen gekauft. Ich damit zwar auf ziemlich viel Unverständnis gestoßen, jedoch war ICH begeistert. Die Kinder haben sich auch wohl gefühlt. Neben den Konsten und dem Umweltgedanken war ein weiterer Vorteil, dass den Kindern daran gelegen war schneller „trocken zu werden“, da von der Stoffwindel die Flüssigkeiten nicht so resorbiert wurden.
    LG, Ute – SCHICKinSTRICK

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    • Hallo Ute,
      schön, dass du den Weg auf meinen Blog gefunden hast! Ich habe mir deinen auch gleich einmal angesehen und werde dort wohl öfter vorbeischauen (bin selber stricksüchtig…!).
      Was die Windeln angeht kann ich dir nur beipflichten: viele reagieren erst einmal mit Unverständnis. Ich habe aber schon einige von der Stoffwindel überzeugen können – und die Kinderärztin war begeistert, weil es wohl gleichzeitig für die Hüfte günstig ist, wenn die Kinder etwas dicker gewickelt werden. Das mit dem Trockenwerden finde ich auch eine tolle Sache, habe es aber bisher nicht erleben können, da mein Kleiner erst 6 Monate alt ist 😉

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  2. […] (diese nutze ich auch gern zum Abschminken). Alles Vollgeschniefte wandert dann bei 60 Grad zur Windelwäsche – aber aufs Bügeln verzichte ich lieber. Ob mein Mann sich mit der Stoffvariante anfreunden […]

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  3. […] haben wir sie nur als wiederverwendbare Feuchttücher beim Wickeln besorgt, aber die weichen Lappen sind mittlerweile auch meine Abschminktücher, meine […]

    Antwort

  4. […] stille, koche selber Babybrei aus reinen Biozutaten, achte auf schadstofffreies Spielzeug, nutze Stoffwindeln und lege Wert auf sinnvolle, bequeme Kleidung (kbA oder Second […]

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  5. […] und vielerorts der Inbegriff für Breikost schlichthin. Sowas wie Tempo für Taschentücher oder Pampers für Windeln oder Zewa für […]

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  6. […] Klodeckel, das Laminat, die Isolierung der Kabel in der Wand, Computer, Verpackungen, Mülleimer, Windeln, Lampenschirme, Shampooflaschen, Regenjacken, Autoreifen, Hüpfburgen, Toaster, Reisekoffer, […]

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  7. […] herumexperimentieren, bis ihr die richtige Dosis gefunden habt). Auch bedenkenlos verwendbar für Stoffwindeln und […]

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  8. […] ich meinem Sohn eine frische Stoffwindel gab hieß es gleich: “das Baby kriegt eine frische Pampers!”. Das mag ja nun schon fast […]

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  9. […] Kaufe in Großmengen ein, dass spart auch Müll! 16. Kaufe deine Kleidung Second-Hand. 17. Nutze Stoffwindeln fürs Baby. 18. Investiere in gute Lebensmittel, so sparst du später an Medikamenten. 19. Keine […]

    Antwort

  10. […] 20-30 Stoffwindeln – 2-3 Überhosen – Wundschutzcreme – 30-40 Waschlappen – Wickelauflage (oder ein dickes Handtuch) – […]

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  11. Posted by Tanja on November 3, 2013 at 7:06 am

    Ich verwende sie auch schon seit Jahren, nun sind sie nach dem 3. Kind schon etwas ramponiert und nicht mehr ganz so dicht. Ich habe sie schon entsprechend behandelt, war aber leider nicht von gutem Erfolg gekrönt. Hat jemand einen Tip?
    Neue will ich jetzt nicht mehr kaufen.

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    • Was für Windeln nutzt du genau? Bei den Popolinis könnt ich mir Handtuchflicken vorstellen. Oder sind die Überhosen nicht mehr dicht? Die aus Wolle kann man mit Wollwachs behandeln, diese Plastiküberzieher kann man aber nur ersetzen…

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  12. Posted by Jennifer Lütold on November 27, 2013 at 7:27 pm

    StofStoffwindeln sind toll, benutze ich selten als Pannenschutz. Wir praktizieren Windelfrei ab Geburt von unserem Sohn, unterdessen ist er 14 Monate alt und es klappt sehr gut, klar ich wasche mal eine Hose mehr als üblich. Man muss nichts eincremen oder der gleichen, hat immer einen gesunden Po. Und mal ehrlich wer sitzt schon gerne in der Ausscheidung. Stoffwindeln sind toll, wenn man an Orte ist, ob es nicht möglich ist das Kind abzuhalten. Ca. 70% der Babys wachsen so auf.fwindeln sind toll, benutze ich selten als Pannenschutz. Wir praktizieren Windelfrei

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  13. […] ist insbesondere bei Windelüberhosen aus Wolle wichtig (meinen Post zu Stoffwindeln findet ihr hier), aber auch Lodenjacken und andere Wollsachen, die etwas wetterfester sein sollen, können die […]

    Antwort

  14. Posted by Antje on Januar 30, 2014 at 3:44 pm

    Ich habe ganz viele Stoffwindeln aus den USA und Wollcover. Die sind wunderschoen und ich fands auch gut sie zu benutzen. Aber seit einiger Zeit nehme ich sie ueberhaupt nicht mehr, weil sie einfach fuer normale Hosen zu dick sind. Und nur Pumphosen ist irgendwie doof bei groesseren Kindern. Wie macht ihr das?

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  15. […] Kinder und Kindeskinder. 15. Finger weg von Einwegprodukten: Papiertaschentücher, Küchenrolle, Windeln, Damenhygiene, Wattestäbchen. Das alles kostet Geld, wertvolle Ressourcen und Lebensräume. Suche […]

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  16. […] untermischen. Trocken aufbewahren. Pro Waschgang reicht ein gestrichener Esslöffel. Auch für Stoffwindeln und die Handwäsche unterwegs nutzbar! Allerdings ist es nichts für Wolle und Seide. Dafür […]

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  17. Dein Blog ist toll! Werde zukünftig öfter bei dir vorbeischauen!
    Habt ihr jemals über Windelfrei nachgedacht? Hab das bei meinen zwei jüngeren Kindern gemacht und könnte es mir nie wieder wegdenken.
    Zusätzlich haben wir Trainerhöschen verwendet aus alten Wollpullis – ich stell dir hier einen Link dazu ein. Mein Schnittmuster würd ich auch gern zur Verfügung stellen, bisher hat es nur noch keiner haben wollen, drum ist es noch nicht online.
    http://einfachena.blogspot.co.at/2011/10/recycling.html

    Danke für die Inspiration und LG
    Ena

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  18. Posted by katja on Juli 5, 2014 at 1:10 pm

    Es gibt eine weitere Sparstrategie in Punkto Windeln: den Windelverbrauch insgesamt reduzieren! Wie es geht steht auf 123windelfrei.de.
    Ich bin erst bei meinem zweiten Kind darauf gestoßen. Seitdem der Kleine dreieinhalb Wochen alt ist, geht das große Geschäft zuverlässig ins Waschbecken/Töpfchen/Klo. Nur deshalb konnte ich mir überhaupt vorstellen auf Stoffwindeln umzusteigen.
    Beim kleinen Geschäft läuft es (bisher) nicht ganz so zuverlässig mit unserer Kommunikation, daher nutze ich Stoffwindeln. Aber es geht eben auch nicht jedes Pipi rein, so dass ich insgesamt weniger zu waschen habe. Und einen wunden Po kennen wir auch nicht…
    Aber das Sparen ist dabei nur ein Nebeneffekt. – Es macht einfach Spaß!

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  19. Posted by Rollheimer on Oktober 9, 2014 at 6:29 pm

    SCHÖN, dass ihr Stoffwindeln propagiert! Vor 15 jahren, vor der Geburt meines ersten Kindes, habe ich von meiner Freundin einen Karton Stoffwindeln geschenkt bekommen. Ihre Mutter hatte sie bereits aus ihrer Kindheit die letzten 30!Jahre auf dem Dachboden aufbewahrt. Wir haben sie ständig benutzt, in Notfällen haben wir auch Einweg benutzt. Meine beiden weiteren Kinder sind fast windelfrei aufgewachsen („Es geht auch ohne Windeln“- Ingrid Bauer). Wir waren anfangs unbeholfen, sind aber in unseren Aufgaben gewachsen. BITTE NACHMACHEN. Ganz HERZLICHEN Dank für euren Block.

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  20. Posted by Limone on Oktober 29, 2015 at 2:19 pm

    Soffwindeln sind super! Der weitere Vorteil, man kann nicht vergessen sie einzukaufen. Feuchttücher verwende ich auch keine mehr, unterwegs tuts ein Taschentuch mit Wasser, zu Hause nehmen wir Waschlappen. Ein Mal Windeln gibt es nur, wenn mal selten ein Babysitter aufpasst oder wir verreisen. So in der Stadt und bei Tagesausflügen haben wir die Stoffwindeln dabei. Windelfrei haben wir bei 2. Kind auch versucht, es ging ne Weile (in Kombi mit Stoffwindeln) bis das Kind nicht mehr wollte. Aber ich kann nur jedem raten es zu versuchen. Sonst Stoffwindeln.

    Statt Wundschutzcreme (die wir eh selten bräuchten), nehmen wir entweder Heilwolle (reine Bio-Schurrwolle aus der Apotheke) oder Linola Fett, dass letztere kann man sich sogar verschreiben lassen.

    Antwort

  21. […] Klodeckel, das Laminat, die Isolierung der Kabel in der Wand, Computer, Verpackungen, Mülleimer, Windeln, Lampenschirme, Shampooflaschen, Regenjacken, Autoreifen, Hüpfburgen, Toaster, Reisekoffer, […]

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  22. […] NutzeStoffwindelnfürs Baby. […]

    Antwort

  23. […] Plastiktüte für Schmutzwäsche doch ganz nützlich, vor allem für Nasses wie Waschlappen oder Stoffwindeln. Hier empfehle ich einen entsprechend großen Zugbeutel aus einem wasserundurchlässigen Stoff. Ich […]

    Antwort

  24. […] oder aus den Dachbodenkisten von Verwandten und Bekannten: Strampler, Bodys, Mützen, Pucktücher, Stoffwindeln und Überhosen, selbstgestrickte Socken aus Wollresten, Jäckchen und Spucktücher (die […]

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