Archive for April 2013

Küchenpapier ade!

Küchenpapier ist etwas, was zum einmaligen Gebrauch hergestellt wird. Ausserdem wird es, wie Papiertaschentücher oder Toilettenpapier, aus unterschiedlichsten Quellen hergestellt, die teilweise sehr fragwürdig sind. Hier gibts dazu mehr: http://www.vzb.de/Kuechenrolle-Taschentuecher-und-Co-Immenser-Verbrauch

Ich finde Küchenpapier und Schwamm (Plastik!) zwar praktisch, möchte mich aber von Wegwerfprodukten möglichst distanzieren. Hier also meine Lösung des Problems.

Wir haben unendlich viele Handtücher. Nicht alle sind gleich flauschig, teilweise sind sie noch von meiner Großmutter und älter als ich. Ich habe also eines jener Uraltexemplare aus dem Schrank gefischt…

20130426-100250.jpg

… Und kurzerhand 8 Küchenlappen draus geschnippelt! Ihr solltet allerdings nicht so eine stumpfe Blödschere nehmen wie ich.

20130426-100923.jpg

Damit kann nun alles getan werden, was zuvor Papier und Schwamm geleistet haben. Danach werden sie einfach mit in die Waschmaschine gepackt. Nur zum Nase putzen sind sie zu fest. Heute nennt man das Upcycling, früher hat man’s selbstverständlich so gemacht (alte Hemden tun’s auch, sind nur nicht so saugstark!). Ihr könnt natürlich auch gleich Waschlappen nehmen, wenn ihr davon eh zu viele habt.

Wer es etwas schicker haben möchte, findet hier eine wunderbare Anleitung zum selber nähen (allerdings auf Englisch).

Werbeanzeigen

Angebot und Nachfrage

Wer kauft, hat eine Wahl getroffen. Wer kauft, unterstützt Produzenten, Verkäufer, Zwischenhändler, Marketingexperten…

Daher ist es mir wichtig, genau zu wissen, was ich kaufe: woraus es hergestellt ist, wo es herkommt, wer es gemacht hat, worin es verpackt ist uns was aus den Dingen wird, wenn ich sie nicht mehr nutze.

Das Wort „Produkt“ bringt mich regelmäßig auf die Palme. Es geht vielerorts nur noch um das Branding, um ein gewisses Logo, gar nicht mehr um das Stillen von Grundbedürfnissen, erst recht nicht um Nachhaltigkeit oder reine Zweckerfüllung.

Ich liebe Schönes: die Natur, oder ein Glas Rotwein mit Freunden, Familienfeiern. Bequeme Schuhe, bunte Kleidung, lange Vollbäder, gute Musik und gutes Essen. Aber bitte ohne irgendwelche Logos, die mir suggerieren, in welche Schublade ich zu gehören habe.

Wenn ich mich für eine Sache entscheide, dann wegen des Inhalts. Das Angebot ist immens, die Produktversprechen ungeheuerlich, der Nutzen von so vielem ungeklärt. Die Werbung gaukelt einem das herrliche Leben im Konsumtempel vor, doch die Realität sieht anders aus.

Daher bin ich dazu übergegangen, immer mehr selber zu machen, möglichst mit einfachen Mitteln. Ich will genau wissen, was ich mir aufs Brot schmiere, wer meine Klamotten näht, was in meinem Badschrank steht, wo das Holz meiner Möbel herstammt, womit ich meine Wohnung putze, was in meinen Medikamenten ist, und da liegt es nahe, Alternativen zu suchen und sich mit Gleichgesinnten auszutauschen. Und immer wieder die Frage: brauche ich das überhaupt?

Natürlich kaufe ich auch – vieles Second Hand, manches neu, dafür sinnvoll produziert und langlebig. Manchmal fehlt es auch an vernünftigen Alternativen, oder ich kaufe doch mal was ausser der Reihe – nobody’s perfect.

Bei herkömmlichen „Produkten“ fehlt mir flächendeckend die Transparenz. Der Verbraucherschutz leistet leider nicht, was ich mir wünschen würde. Ausserdem muss meiner Meinung nach der Ausbeutung von Mensch und Natur zwecks möglichst billigen Produkten in möglichst gigantischen Auflagen und dem Konsumterror im Allgemeinen dringend ein Riegel vorgeschoben werden.

Ricotta selber machen

Neulich habe ich aus Ermangelung an gewohnten Zutaten so Pi mal Daumen Frischkäse machen wollen und habe einen wunderbaren Ricotta dabei rausbekommen. Ricotta ist toll in Aufläufen, mit frischem Obst auf Brot oder in selbstgemachten Nudeln!

Ich habe es jetzt noch einmal nachgekocht und es hat wunderbar funktioniert.

Ihr braucht:

1 Liter Milch
1 Teelöffel Zitronensäure
1 Prise Salz
Topf, Löffel, Sieb, Geschirrtuch, Schneebesen, Schüssel, evtl. Milchthermometer

Zunächst verrührt ihr die Zitronensäure und die kalte Milch im Topf mit einem Schneebesen. Dann wird das Ganze unter ständigem Rühren erhitzt, bis die Molke sich vom Käsebruch trennt (wer ein Milchthermometer hat: bei ca. 70 Grad).

20130422-120813.jpg

Dann nehmt ihr das Geschirrtuch, legt es auf das Sieb (thront wiederrum auf der Schüssel) und füllt den Käsebruch ein. Geschirrtuch falten und abwarten. Nach 15-20 Minuten Abtropfzeit habt ihr herrlichsten Ricotta!

20130422-121218.jpg

Waschmittel selber machen

Jetzt geht es mit dem fröhlichen Waschzeug weiter! Dieses Rezept ist allerdings nichts für Sachen aus Wolle und Seide, weil das Natron die Fasern aufbauscht. Dazu gibt es hier einen Extrapost, mit Rezept versteht sich.

Nun werden sicher einige Leser fragen: warum der Aufwand? Es gibt doch Waschnüsse! Da ist allerdings das Problem, dass unsere Nachfrage die Preise derartig in die Höhe haben schießen lassen, dass die indische Landbevölkerung sich die umweltschonende Alternative vom heimischen Baum nicht mehr leisten kann. Also wird nun mit billigster Chemie gewaschen und die Gewässer verseucht, damit wir hier den Luxus eines „grünen“ Gewissens haben können… Also lieber die Finger davon lassen (lest mal hier nach). Als Alternative kann man auch Kastanien verwenden, dass will ich im Herbst auch unbedingt mal ausprobieren: http://experimentselbstversorgung.net/auf-zum-waschmittel-sammeln/

Dieses Rezept basiert auf Kernseife. Augen auf beim Seifenkauf: nicht überall, wo Kernseife drauf steht, ist auch wirklich Kernseife drin. Manche enthalten gar EDTA oder andere übelst giftige Chemikalien. Enthält die Seife Glycerin, dürfen damit keine Stoffwindeln oder Babywäsche gewaschen werden. Glycerin kann bei Säuglingen und Kleinkindern Hautirritationen und Allergien auslösen und bildet oft eine wasserundurchlässige Schicht, was für Windeln oder waschbare Damenbinden denkbar ungünstig ist. Palmöl findet man in den meisten Kernseifen (die Palmölplantagen sind garstige Monokulturen, welche das Aussterben der urwaldbewohnenden Menschen und Tiere bedrohen), diese sollten aber gemieden werden. Alepposeife ist teuer aber gut, wenn man sie bekommt (derzeit haben die Syrer allerdings weniger ihre Seifenproduktion im Kopf). Also am besten gleich selber Kernseife machen! Wer ein gutes Rezept hat: ich suche noch.

Aber eins nach dem Anderen. Kommen wir zurück zum Waschmittel. Das Grundrezept habe ich wieder von http://myhealthygreenfamily.com/blog/wordpress/homemade-borax-free-laundry-detergent/, habe es aber leicht verändert. Alle Zutaten sind in Drogerien zu bekommen (die meisten Verkäufer haben zwar nie von Waschsoda gehört, aber die Läden führen es trotzdem).

Ihr braucht:

– 100 Gramm Spezialsalz für Geschirrspüler (bloß kein normales Kochsalz nehmen, s. Hinweis bei Geschirrspülmittel selber machen) als Wasserenthärter und zum Erhalt der Farben
– 150 Gramm Wasch- bzw. Kristallsoda bzw. Reine Soda als Reiniger und Weichspüler
– 100 Gramm Zitronensäure als Enthärter und Farbauffrischer
– 150 Gramm Natron: beseitigt Flecken und Gerüche
– ein Stück (100 Gramm) echte Kernseife oder 72%ige Savon de Marseille mit Olivenöl als Reiniger
– evtl. 20 Tropfen ätherisches Lavendel-, Teebaum- oder Zitrusöl, damit es „sauber“ riecht
– eine alte Socke mit 2 EL Reis zum trocken halten (Reis in die Spitze, Knoten rein, Rest abschneiden)

20130420-141449.jpg

Die Seife mit einem Käsehobel fein reiben (wer schmierige Seifenfinger verhindern will, legt die Seife zum anfrieren eine Viertelstunde ins Gefrierfach!). Die Seifenraspel in einem großen Glas oder einer Dose mit den anderen Zutaten vermischen, dann die Socke reinlegen. Die Socke bindet die Feuchtigkeit aus dem Raum eher als das Waschpulver, da der Reis trockener ist, also klumpt das Pulver nicht. Man sollte die Socke immer mal in die Sonne oder auf die Heizung legen, damit sie wieder durchtrocknen kann.

Für normal dreckige Wäsche reicht 1 Esslöffel, bei besonders Verschmutztem nehm ich 2 (Windeln!). Es ist zuverlässig und kann sich mit den herkömmlichen Waschmitteln in puncto Sauberkeit messen – sogar eingetrocknetes Kunstblut, Milchflecken, Kaugummi etc. sind kein Problem!

Man sollte das Glas hin und wieder schütteln, um immer eine gute Mischung auf dem Löffel zu haben. Dank des Sodas braucht man keinen Entkalker oder Weichspüler zusätzlich. Alle halbe Jahre sollte man die Maschine allerdings mit Zitronensäure entkalken.

20130420-141900.jpg

Das Waschmittel ist auch für Allergiker und Sparfüchse bestens geeignet! Wer trotzdem Chemiebomben kauft sollte sich demnächst am Strand mal ein Bild von den unnatürlich schäumenden Wellen machen… und sich ein Herz fassen. Das Herstellen des Waschmittels ist kinderleicht und dauert gerade mal 15 Minuten.

Man lese und staune:

http://www.umweltbundesamt.de/chemikalien/waschmittel/

Ich bin gespannt auf eure Erfahrungen und Kommentare 🙂

Das macht die Katze froh

Eigentlich wollte ich einen Hund, aber das Schicksal dachte anders. Da wir zwei reine Hauskatzen haben (bei uns ist es leider nicht möglich, dass die Tiere rausgehen, weil wir an einer stark befahrenen Straße wohnen), haben wir auch zwei Katzenklos – aus Plastik zwar, aber immerhin aus zweiter Pfote von Bekannten.

Wir haben nach einem Streu gesucht, welches folgende Kriterien erfüllt: möglichst leicht, geruchsfrei, klumpend, natürlich, nur in Papier verpackt, in der Nähe zu bekommen, günstig, katzenfreundlich, im Klo entsorgbar.

Zum Glück haben wir es auch gefunden: Cat’s Best Öko Plus, gibts im Fressnapf und manchen Bioläden. Seit wir es benutzen, brauchen wir nur alle 6-9 Monate einen neuen Sack, müssen nicht mehr den ganzen Inhalt des Klos auswechseln, es stinkt nicht mehr (wir entfernen die Klumpen nur einmal täglich), die Kosten sind auf ein Minimum dahingeschwunden und zusätzlichen Müll produziert es auch nicht mehr.

Das leichte Streu verfängt sich zwar leichter in den Pfötchen als das herkömmliche Zeug, die Krümel im Bad sind dann aber auch schnell weggemacht. Wir nutzen es jetzt schon 3 Jahre und sind höchst zufrieden.

Ein eindeutiger Sieg für Katzen, Halter, Umwelt und Geldbeutel!

Zero Waste App

Smartphonenutzer aufgepasst! Beim Lesen des absolut empfehlenswerten Blogs http://www.zerowastehome.com ist mir heute die kostenlose App für Apple und Android ins Auge gesprungen:

http://zerowastehome.blogspot.de/2013/04/our-bulk-locator-app-is-out.html?m=1

Ziel ist es, alle Läden, welche in den USA und Kanada Produkte ohne Verpackungen anbieten, aufzuführen. Allerdings gibt es dort auch schon die ersten europäischen Einträge. Wenn genug Leute mitmachen, können wir Nichtamerikaner die App also bald genauso nutzen, um entsprechende Geschäfte in der Nähe aufzutreiben. Yeah!

Schuhgröße 37 ist zu groß

„Die Welt hat genug für jedermanns Bedürfnisse, aber nicht für jedermanns Gier.“ – Mahatma Gandhi

Einmal im Jahr – ungefähr – lasse ich mir meinen ökologischen Fußabdruck im Internet berechnen. Der Rechner berücksichigt zwar vieles nicht (Verpackungen oder Reinigungsmittel zum Beispiel). Dennoch finde ich es immer wieder gut, wenn man sich sein Konsumverhalten vor Augen führt:

http://www.footprint-deutschland.de/

Derzeit bin ich bei 2,23 – unter dem deutschen Durchschnitt zwar, und eine Verbesserung zu letztem Jahr. Aber doch zu groß, als das ich nichts daran ändern wollen würde. Der Wert ist zwar vor allem der Tatsache zu verschulden, dass wir in einem unsanierten Altbau aus den 1950er Jahren wohnen (berliner Wohnungsmarkt sei Dank…), aber ich möchte auch meine anderen „Baustellen“ angehen. Darunter ist vor allem auch der Aspekt der Regionalität der Lebensmittel ein Thema.

Eine kleine Googelei ergibt die Seite http://www.mundraub.org, dank derer ich wunderbar kostenlose Lebensmittel in meiner Umgebung ernten kann, auch wenn der Garten nicht viel hergibt. Mal schauen, wo bald was reif ist…

Eine weitere Möglichkeit, alles mögliche in Deutschland regional zu bekommen, ist das Hofladenportal. Hat das jemand schon genutzt? http://www.hofladen-portal.de/default/hofladenportal

Was sind eure „Baustellen“? Wie verkleinert ihr eure ökologischen Fußabdrücke?