Markenquark

Heute, im Kleinkindabteil eines ICE, ist mir das Markenbewusstsein einer jungen Mutter mit 2-jährigem Kind aufgefallen.

Als ich meinem Sohn eine frische Stoffwindel umtat, hieß es gleich: „das Baby kriegt eine frische Pampers!“. Das mag ja nun schon fast so integriert sein wie der Markenname „Fön“ für Haartrockner, doch es ging weiter: „Hast du Hunger? Willst du Pombär?“ (übrigens auch ein Kandidat für den Goldenen Windbeutel) und – was mich zunächst sehr rätseln ließ – „Hast du Durst? Willst du Wie-oh?“. Das Flaschenwasser Vio war gemeint, und da wurde mir schwummerig:

Warum legt man seinem Kind mit 2 Jahren nicht das Wort „Wasser“ stattdessen nahe? Ist unsere Gesellschaft wirklich schon so Produkt- und Markenabhängig, dass man den Kindern – welche schließlich die Zukunft gestalten werden – mit jedem Schluck Wasser, jedem Essenshapser, jedem Windelwechsel die entsprechenden Marken nennen muss?!?

Ich werde der Dame mit meinem selbstgebackenen Zwieback und der Edelstahlflasche mit frischem Leitungswasser wahrscheinlich ähnlich fremd vorgekommen sein…

Es ist erstaunlich wie effektiv sich Werbung durchsetzen kann, wie Produkte sich im Alltag integrieren und sie sich – und das sicher auch unbewusst – als Synonym für soetwas essentielles wie Trinkwasser zu etablieren vermögen. Gerade die frühkindliche Prägung scheint hierfür das A und O zu sein.

Was sagt ihr dazu?

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5 responses to this post.

  1. Sehr traurig. Aber das fängt ja schon damit an, dass die meisten Tempo sagen, auch wenn sie ein Papiertaschentuch einer anderen Firma meinen. Ganz davon abgesehen, dass man da lieber eine umweltfreundlichere Alternative wählen sollte.

    Ich frage mich, warum die Menschen nicht mehr reflektieren, wie sie handeln. Das vor einem Kind so zu tun ist natürlich noch eine Stufe schlimmer. Hier wird die Sprache ja erst geprägt.

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    • Danke für den schönen Kommentar! Tesa, Zewa, Selters – die Liste der Firmennamen ist lang, welche sich im Sprachgebrauch eingenistet haben. Was mir gruselt, ist diese Unüberlegtheit dabei. Geht es überhaupt noch um Taschentuch, Klebefilm und co. oder nur um das jeweilige Image? Ich habe mich vor ein Paar Jahren nicht mehr einkriegen können vor lauter Markenwut, als diese Werbetafeln erschienen, worauf stand: „ENDLICH – jetzt gibt es Tempo auch als Toilettenpapier.“ Wie hat man bloß früher überleben können…?

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  2. Es tut mir leid, dass ich heute schon den vierten Kommentar da lasse, aber dazu will ich auch was sagen >__<…
    Meine Mutter hat mir meinen Brei immer selbst gemacht, geriebene Karotten und Äpfel, gekochte und gestampfte Kartoffeln, so wusste man was drin ist, wie alt das ist und welche Qualität das hat. Ich bin da sehr froh drum, denn ich habe dieses Denken beibehalten (sie meinte allerdings, dass es ganz selten mal was Fertiges gab, wenn ich total hunger hatte und sie nichts dabei hatte oder wenn es sehr heiß war und sie sich Sorgen machte, dass es kippt). Bei mir gibt es Tee und Leitungswasser und gekaufte Getränke nur gaaaaaaaaanz selten und mein Frühstück besteht jeden morgen aus selbstgemachtem Haferschleim mit Apfel aus der Tupperdose. Mir hat nie was gefehlt und ich will das auch mal meinen Kindern vermitteln können. Vor allem will ich ihnen bewusst machen, dass hinter der Produktion von Nahrung immer Aufwand steckt und dass irgendwas nicht stimmen kann, wenn man die Eier für 10 Cent das Stück hinterhergeworfen bekommt.
    Aber wenn man seinen Kindern schon so früh Marken vermittelt, dann muss man doch fast gezwungenermaßen im Alter von 14 Jahren alle zwei Monate einen neuen Adidas-Jogginganzug mit passenden Schuhen kaufen. Ich hoffe, die Dame ist reich 😉

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  3. Posted by Tanja on Juni 29, 2014 at 9:55 am

    Mir ist irgendwann aufgefallen, dass wir „Pampers“ für Wegwerfwindeln sagen und „Windel“ für Stoffwindeln. Und Spatzi hat das auch so übernommen. Sie bevorzugt übrigens die Windeln.

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