Archive for April 2014

15 Schritte in die Unabhängigkeit

Autark leben. Ein Traum. Wissen, wo Dinge herkommen. Was drin ist. Wofür es wirklich gut ist. Als stadtansässige Freiberuflerin mit Familie stoße ich schon mal an meine Grenzen: Zeit. Platz. Geld. Wissen.

Doch es gibt ein Paar Schritte, die jeder tun kann, um etwas unabhängiger zu leben – macht euch also etwas frei von dem ganzen Konsumterror, dem wirtschaftlichen Druck, gesellschaftlichen Zwängen. Vielleicht ist ja in meiner Liste auch was für dich dabei – für ein „langsameres“ Leben:

1. Schaff deinen Fernseher ab. Klebe an deinen Briefkasten den Hinweis, dass ihr keine Werbung eingeworfen bekommen wollt. Bestelle Modezeitschriften, Bestellkataloge und Fashion-Newsletter ab. Das spart Papier, Geld und Versuchungen.
2. Baue deine eigenen Lebensmittel an. Ob Basilikum auf der Fensterbank, Tomaten auf dem Balkon oder ein eigener Gemüsegarten – hier kann fast jeder etwas tun. Und es macht Spaß!
3. Lerne Handarbeit und Handwerk schätzen und lerne selber Nähen, Stricken, Sticken, Häkeln, Töpfern… oder zumindest, wie man einen Knopf annäht. Geh mit den Stiefeln zum Schuster, lass deine Scheren nachschleifen, klebe den kaputten Becher mit selbstgemachtem Sekundenkleber.
4. Lerne deine Nachbarn kennen. Wer weiß, wann du einmal eine Tasse Mehl, eine helfende Hand oder einen guten Rat von Ihnen gebrauchen kannst.
5. Geh auf die Suche nach essbaren Wildpflanzen. Das ist kostenlos und abenteuerlich. Nimm jemanden mit, der sich auskennt, besuche einen Kurs oder lege dir ein gutes Buch zum Thema zu. Wie wäre es mit Löwenzahnpesto oder Brenesselgemüse?
6. Verzichte auf Überflüssiges: Brotbackmaschine, Donut-Maker, Kartenmischmaschine. Hier sind ein Paar Tipps, die dir beim Ausmisten helfen können.
7. Improvisieren und Umfunktionieren: eine leere Weinflasche wird zur Teigrolle, verbogene Gabeln zu Schubladengriffen, Wollreste zu Kissenfüllungen.
8. Selber machen statt kaufen. Oft sind die selbstgemachten Dinge besser, günstiger und zuverlässiger, ob Möbel oder Wundschutzcreme.
9. Energie sparen. Sammle Regenwasser, um deinen Garten zu bewässern. Trockne Kleider nur an der Luft. Sieh zu, dass deine Wohnung richtig isoliert ist und setze öfter mal Kerzen ein. Wer es noch weiter treiben will und kann legt sich Solarzellen, einen Solarofen, ein Windkraftwerk, eine Komposttoilette oder andere Dinge gekauft oder selbstgemacht zu.
10. Klug investieren, vernünftig sparen – hier ist meine Liste von 101 nachhaltigen Sparstrategien. Ich kann es mir nicht leisten, billige Qualität zu kaufen. So investiere ich lieber in hochwertige Dinge (bevorzugt gebraucht) und wäge genau ab, ob ich etwas brauche oder nicht. Das halte ich mit Wohnungseinrichtung, Kleidung, Technik, Musikinstrumenten usw. so.
11. Lebe gesund. Mache Sport, iss Gemüse und Obst, viel Rohkost, wenig tierische Produkte und wenn, dann vernünftiges Fleisch. Trink vor allem Wasser. Hör auf zu rauchen. Drossel deinen Koffein-, Zucker-, Weißmehl- und Alkoholkonsum. Putz dir die Zähne.
12. Nimm dein Fahrrad, geh zu Fuß, sattel dein Pferd. Oder nimm wenigstens den Bus.
13. Füll die Speisekammer auf. Kaufe beim Bauern Säckeweise Kartoffeln, Zwiebeln, und was du noch gut lagern kannst. Stelle Apfelessig, Marmelade, Liköre, Cremes und Salben, Seife, Reinigungsmittel und was du sonst noch so brauchst selber her. Wer einen eigenen Garten hat: Einfrieren, dehydrieren, einwecken.
14. Verzichte auf Plastik und Aluminium, soweit du kannst. Das schont nicht nur deinen Geldbeutel, die Umwelt, deine Gesundheit, deinen Mülleimer und die Ressourcen, sondern auch deine Kinder und Kindeskinder.
15. Finger weg von Einwegprodukten: Papiertaschentücher, KüchenrolleWindeln, Damenhygiene, Wattestäbchen. Das alles kostet Geld, wertvolle Ressourcen und Lebensräume. Suche nach Alternativen. Ganz Mutige schaffen auch das Klopapier ab und ersetzen es durch Lappen oder einem Bideteinsatz für’s Klo.

Apfelessig selber machen

Und wieder stelle ich fest, dass ich etwas entdeckt habe, was vermutlich einmal jeder Haushalt wusste: Apfelessig herstellen ist kinderleicht.

Über das Wunderwasser Apfelessig habe ich bereits in diesem Post geschrieben. Apfelessig kaufen kann sehr teuer werden; selber machen ist aber unglaublich einfach und unschlagbar günstig. Alles, was ihr dazu braucht, sind ein Paar Apfelreste (Kerngehäuse, Schalen, Presskuchen…), etwas Wasser und Geduld…

Erst einmal kommen die ganzen Apfelreste (bevorzugt Bio-Äpfel verwenden) in eine große Schüssel. Kaltes Leitungswasser einfüllen, bis die Apfelpampe mit gut 2 Zentimetern Wasser bedeckt ist. Eine Woche mit einem Küchenhandtuch bedeckt an einem kühlen Ort stehen lassen und täglich umrühren, damit sich kein Schimmel, dafür aber weißer Schaum bildet (ganz rechts im Bild). Wem das zu lange dauert, gibt beim Ansetzen des Essigs eine gute Handvoll Zucker mit in die Schüssel, dann hat man oft schon nach 2 Tagen die schönen Bläschen.

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Nun den stark nach Essig riechenden Sud durch ein Küchenhandtuch gießen. Die Apfelmasse auf den Kompost bzw. nach Möglichkeit netten Hühnern geben.

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Den noch unreifen Essig in große Weckgläser füllen und mit Tuch abdecken (nicht zuschrauben, der Essig muss atmen) und weitere 6 Wochen stehen lassen.

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Dabei bildet sich auch die sogenannte „Mutter“, die sich zunächst an der Oberfläche bildet, dann aber herabsinkt.

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Nach 6 Wochen ist der Essig dunkler geworden, riecht eindeutig nach Apfelessig und gelartige Massen schwimmen darin herum (dies ist die „Mutter“, völlig unbedenklich). Den Essig nun in Flaschen umfüllen. Vor Gebrauch schütteln.

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Tipp: der Geschmack des Essigs reift mit der Zeit weiter heran. Wer säuerliche Äpfel nimmt, bekommt sauren, wer süße Äpfel nimmt, bekommt süßlichen Essig.

Wo ist eigentlich euer Shampoo?

Da bin ich wieder! Als Freiberufler tauche ich immer mal in die Versenkung ab, der Blog darbt vor sich hin und lauter Posts bleiben ungeschrieben. Wie dieser hier.

Wer in unsere Dusche blickt, sieht dort nur ein Stück unscheinbare grüne Seife. Kein Shampoo. Kein Duschgel. Keine Spülung.

Als ich mit diesem langsameren Lebensstil begann, sind viele Dinge aus meinem Haushalt verschwunden – so auch Shampoo. Wer will schon Sodium Laureth Sulfate oder Silikone aus der Plastikflasche wenn es günstige, umweltfreundliche und wirksamere Alternativen gibt? Als bekennender Langhaarmensch habe ich auch meine Haarpflege verändert. Zunächst habe ich zum Waschen Lavaerde benutzt, bin dann auf Heilerde umgestiegen (jedes Mal Waschen war wie eine Schlammschlacht in der Dusche!), habe mir überlegt, es mal mit Natron zu versuchen… aber diese Mischerei immer… oder Haarseife… aber das scheint eine Kunst für sich zu sein… und dann bin ich herrlicherweise auf Alepposeife gestoßen.

 

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Mein Mann und ich sind hellauf begeistert und haben nicht vor, je wieder etwas anderes zum Haarewaschen zu benutzen. Das Haar glänzt, ist weich und leicht kämmbar, ganz ohne Spülung. Man muss damit etwas herumexperimentieren – mein Mann hat Locken und wäscht nur einmal, ich mit meiner Pferdemähne zweimal bei jedem Duschen die Haare. Bisher habe ich sie im Bioladen gekauft (es gibt sie mit und ohne Lorbeeröl; ich finde die ohne Lorbeeröl sogar besser), demnächst werde ich sie selber sieden. Wieder ein Stückchen autonomer! Nach dem Waschen nehme ich meine selbstgemachte Haarbutter. Einfach, gut, günstig, umweltschonend und platzsparend. Was will man mehr?

Tipp: wer trotzdem nicht auf Shampoo, Spülung und Duschgel verzichten möchte, findet Anleitungen zum selber machen hier auf meinem Blog 🙂