Umstrukturierung – wo fängt man an?

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Neulich erreichte mich ein Kommentar mit der Bitte um Tipps zur „Umstrukturierung“, wodurch ich an unseren eigenen, bisher zurückgelegten Weg denken musste.

Ich kann und möchte da niemandem etwas vorschreiben. Wo man hin möchte, ist schließlich eine sehr subjektive Angelegenheit und ich bin da keinesfalls wertend. Rückblickend kann ich sagen: Für uns war 2012 war ein ziemlich turbulentes Jahr. Turbulent im Sinne von emotional, finanziell, wohnungstechnisch und überhaupt. Ich hatte die große Sehnsucht, „auszusteigen“ – wusste nur nicht genau, was ich damit meinte. Nach Kanada auswandern? Im Bauwagen wohnen?

Ich hatte als freiberufliche Künstlerin derbe Rückschläge einstecken müssen und viel Zeit zum Nachdenken, Lesen, Recherchieren. Schrieb einen Kurzkrimi, der einen Preis gewann und durch einen kleinen Verlag veröffentlicht wurde. Dachte, mir würde es ganz gut tun, einen Blog zu schreiben oder soetwas. Aber zu welchem Thema? Gab es nicht zu allem und jedem schon einen Blog?

Mit dem Film „Plastic Planet“ fing es damals so langsam an, dass wir so etwas wie Umstrukturierung betrieben. Nach zwei Wochen Plastikfasten hatten wir schon die ein oder andere Priorität in Frage gestellt und begaben uns auf unseren Weg des Umdenkens (der im Übrigen nie abgeschlossen ist). Putzmittel wurden aussortiert und durch selbstgemachte Reiniger ersetzt, Krempel wurde aussortiert, Salben gerührt und der Blog hier ins Leben gerufen, alles zunächst sehr zaghaft. Aussteigen aus dem eigenen „Gefangen-sein“ des Alltags war angesagt.

Heute, vier Jahre später, stehen wir an einem ganz anderen Punkt: renoviertes altes Haus mit großem Garten statt schimmelanfälliger Hauptstadt-WG. Berufliche Klarheit, in diesem Falle: jeder von uns hat mehr oder weniger eine halbe Stelle, wodurch wir unser Auskommen und viel Zeit als Familie haben. Wir helfen regelmäßig auf einem kleinen Reiterhof aus und bekommen gratis Reitunterricht, engagieren uns in Politik und Flüchtlingshilfe, halten Kontakt zu Freunden und Familie, die uns emotional mehr geben als sie uns nehmen.

Ich habe die Erfahrung gemacht: wenn man an einem Punkt anfängt, sein Umfeld, seine Gewohnheiten, sein Zusammenleben zu hinterfragen, kommt alles andere irgendwie hinterher. Da ist sicher für jeden ein anderer Weg wichtig und richtig; der eine schaut zunächst in seine Schreibtischschublade, der andere sucht sich ein neues Hobby. Was Umstrukturierung genau ist und was für ein Ziel dahinter steckt, muss jeder für sich entscheiden. Gewiss ist nur: es ist ein nie endender Prozess und keinefalls ohne Stolpersteine, aber lohnenswert.

14 responses to this post.

  1. Hallo!

    „wenn man an einem Punkt anfängt, sein Umfeld, seine Gewohnheiten, sein Zusammenleben zu hinterfragen, kommt alles andere irgendwie hinterher.“ – das kann ich nur unterschreiben, ich habe genau diese Erfahrung auch gemacht.

    lg
    Maria

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  2. Hallo,

    das mit dem hinterfragen klappt schon gut. Ebenso das mit dem neu orientieren auch. Nur das mit dem „kommt alles andere hinterher“ noch nicht.

    Aber ich mache es ja auch erst 10 Monate und warte einfach mal ab, was sich da ergibt.

    Ansonsten ein sehr gut geschriebener Artikel.

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  3. Posted by Melanie on März 29, 2016 at 1:14 pm

    Hallo,

    danke für dieses Posting!
    Es fehlt allzu oft an der nötigen Gelassenheit, oft will ich alles auf mal und bin dann unzufrieden mit mir, anstatt mit jedem einzelnen kleinen Schritt glücklich zu sein.
    Eine neue Baustelle, wie´s scheint..

    LG

    Melanie

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  4. Posted by andersdenken on März 29, 2016 at 2:35 pm

    Ein wunderschöner Bericht über den Weg, den man zurücklegen kann… Man muss im Leben immer wieder entscheiden, welchen Weg man gehen will. In diesem Blog hier ist eine nahezu unerschöpfliche Quelle zu finden, neue Wege zu gehen. Fast alles ist mit so wenig Aufwand verbunden, dass ich mich manchmal frage, warum habe ich das nicht schön früher so gemacht? Schön, dass es auch Menschen gibt, die andere denken. Vielen Dank!

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  5. Posted by Stefanie on März 30, 2016 at 6:59 pm

    Hallo, Dein Blog war für mich einer der großen Anstösse zum noch mal anders leben und denken. Der Name Deines Blogs fasst für mich zusammen, wie ich leben möchte. Langsamer leben ist für mich ein ständiger Prozess und immer wieder ein Sich-Entscheiden. Mir geht es auf jeden Fall mit noch weniger Konsum und noch mehr Dinge selber machen viel besser. Und ich bin sehr froh, dass Du wieder regelmäßig bloggst. Liebe Grüße!

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  6. Posted by Katja on April 1, 2016 at 10:09 am

    Hallo, dem kann ich mich nur anschliessen….durch deinen Blog bin ich vor ein paar Jahren inspiriert worden „langsamer“ zu leben….das ist ein langsamer Prozess, aber der Auslöser war Dein Blog. Und dies habe ich letztens noch von jemandem gehört, der deinen Blog noch nicht kannte.

    Bin sehr froh – dass Du wieder öfter blogst

    lieeeeeeebe unbekannte Grüße aus dem Großstadtjungle :-))

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  7. Posted by Sandra on April 2, 2016 at 10:12 pm

    Hallo , ich kann mich den anderen nur anschließen. Ich bin so froh ,daß Du wieder blogst. Ich möchte einmal DANKE sagen für die Mühe die Du Dir mit Deinem Blog machst. Ich will einiges ändern ,aber jeder Anfang ist schwer. Es geht nur Stück für Stück und dabei hilft mir Dein Blog. Liebe Grüße Sandra

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  8. […] durch unsere Umstrukturierung haben wir ein großes Plus an Lebensqualität gewonnen, was vielleicht als kostspielig wahrgenommen […]

    Antworten

  9. […] Kompromisse haben uns auf diesen Weg gebracht. Bereut haben wir in den letzten drei Jahren der Umstrukturierung nichts und es ist sehr bereichernd, die Dinge konstruktiv und konsequent […]

    Antworten

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