Ist dieser Lebensstil nicht sehr kostspielig?

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Bei dieser Frage muss ich immer etwas schmunzeln. Sie wurde uns schon häufig gestellt, dabei keimte dieser ganze Umbruch auf einem wirtschaftlich gesehen so mageren Boden, dass uns kaum was anderes übrig blieb. Auf gewisse Dinge verzichten, umdenken, hinterfragen, umrüsten: das kostet vor allem Zeit und Zuversicht. Manches hat sich auch gar nicht verändert. Vielleicht kommen wir in diesem Blog manchmal etwas „radikal“ rüber, aber im Grunde genommen sind wir eine ganz normale Familie, die sich ihren Weg sucht (und dabei nicht immer so konsequent ist, wie sie gern wäre).

Trotzdem: durch unsere Umstrukturierung haben wir ein großes Plus an Lebensqualität gewonnen, was vielleicht als kostspielig wahrgenommen wird. Viele Bio-Lebensmittel, wenn längst nicht alle; Haus mit großem Garten; teils teure Neuanschaffungen. Im Endeffekt sparen wir aber viel Geld, weil wir viel Gebrauchtes nutzen. Sperrmüll oder selber bauen statt Ikea, Second-Hand-Laden oder selber nähen statt H&M, selber kochen statt essen gehen (was wir zwar machen, aber sehr selten). Neu kaufen tun wir die Dinge, die wir gebraucht nicht finden, die eine gewisse Qualität haben und die wir auch reparieren können, sollte mal etwas damit sein. So sparen wir im Endeffekt auch wieder einiges.

Wenn wir plötzlich zu Geld kämen, würden wir vermutlich lieben Menschen finanziell unter die Arme greifen, unser Mietshaus kaufen, konkret über Adoption oder Pflegekinder nachdenken, die Jugendstilstühle neu bepolstern lassen, reisen, eine Sauna in den Garten setzen, einen Imkerkurs machen und Bienen anschaffen, den Dachboden ausbauen, ein anderes Auto besorgen und einen Hund in die Familie integrieren.

Aber ganz ehrlich – bis hierhin haben wir es auch ohne großes Geld geschafft. Da bin ich stolz drauf und habe langsam das Gefühl: wenn es uns wichtig ist, schaffen wir den „Rest“ auch noch locker.

21 responses to this post.

  1. Ich finde es super was ihr macht, wirklich bewundernswert. Bis zu einem gewissen Grad versuche ich es auch, achte auf ein paar Sachen, aber viel mehr schaffe ich irgendwie nicht in den Alltag zu integrieren.. Da fehlt es an Disziplin 🙈 umso toller finde ich euren Weg und freue mich immer von euch zu lesen! Weiter so 😊

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  2. Wir versuchen, genau wie Ihr, moeglichst viele gute Entscheidungen zu treffen. Manchmal muss man halt Abstriche machen … das passiert. Aber was man z. B. mehr bei Bio-Lebensmitteln ausgibt, kann man beim selber Brotbacken und 2-Hand-Einkaeufen wieder ‚reinholen‘. Ich denke, dass man im Grossen und Ganzen nicht mehr als Otto Normal ausgibt … aber man investiert auf jeden Fall mehr Zeit!
    Liebe Gruesse ueber den grossen Teich, ivonne

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  3. Ich lese auch sehr viel und gerne deine Einträge. aber viel umsetzen kann ich nicht, mit 2 Teenager mädels( was die alles anschleppen!!!) Und einen Uneinsichtigem Mann ( Auch sehr schlimm)
    Leider nur im kleinen Stil.
    LG Marion

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    • Klein anfangen muss man eh – vielleicht lassen sich die anderen ja noch anstecken🙂

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      • Ich hoffe es auch schon seit jahren, aber vergeblich: Wurst nur abgepackt, weil man sie sonst im Kühlschrank nicht findet !! Käse ebenso!! Uns gekauft wird ohne mama immer was mit viel Verpackungsmüll. Es ist zum schreien!!
        LG Marion

      • Lass dich nicht ärgern, Marion🙂

      • Nee Ärgern liegt nicht so in meiner Natur dazu bin ich zu gutgelaunt , aber verzweifeln und Kopfschütteln ist angesagt wenn meine lieben mir sagen :“ In deiner neuen Dose vergesse ich das wir Wurst haben und ausserdem weiß ich nicht ob die noch gut ist!!!!“so eine Aussage meiner 19 jährigen Tochter.
        LG Marion

  4. Ich lese hier so gerne still mit, es gibt so viel interessantes hier zu entdecken! Insgesamt denke ich, dass ein bewussterer Lebensstil in Summe vielleicht nicht unbedingt Geld spart, aber zumindest sinnvoll umverteilt. Durchs Selbermachen spart man (fast) immer und hat noch dazu eine Fähigkeit erlernt oder ist gerade dabei. Ich finde es toll, mein eigenes Brot zu backen und zu wissen, was drin ist. Genauso toll finde ich es Deko oder Kleidungsstücke selber zu machen. Hier und da traue ich mich auch an Möbel Marke Eigenbau ran.
    Ich denke, dass die Vermeidung von Spontankäufen im Endeffekt das meiste an Zugewinn ausmacht. Nicht nur aus finazieller Sicht.

    Liebe Grüße, Daniela

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  5. Hallo!

    Ich habe auch gelernt, dass es ein Umverteilen ist und kein mehr an Geld. Was ich mehr brauche ist Zeit, aber die habe ich auch nun, weil ich weniger arbeite. Irgendwie fühlt sich das richtiger an.

    Deinen Blog und Deine Gedanken mag ich sehr!

    lg
    Maria

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  6. Posted by Jörg on April 13, 2016 at 6:42 am

    Ich finde mich gerade bei diesem Artikel wieder, waren wir doch durch einige berufliche Erschütterungen gezwungen unseren Lebenstil zu hinterfragen.

    Macht weiter so !
    Gruß Jörg

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  7. Ein sehr schöner Beitrag und er spiegelt unseren Weg wieder. Ich will den Bereich ’sparsam leben‘ bei mir demnächst integrieren. Der Witz ist, dass sehr viele Menschen davon ausgehen, dass wir ‚Geld haben‘ dabei ist so ungefähr genau das Gegenteil der Fall und wir sind trotzdem noch längst nicht da angekommen, wo wir hinwollen. Wie es bei uns trotzdem funktionieren kann, will ich nach und nach mal darlegen. Liebe Grüße!

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    • Posted by meikeilein on April 25, 2016 at 6:59 am

      Hallo Landidylle. Ich musste bei Deinem Kommentar schmunzeln, weil das bei uns ganz genauso ist. Als wir vor ein paar Tagen zu mehreren bei Freunden eingeladen waren und es um „zuwenig Lohn“ ging (vielleicht eines der liebsten Meckerthemen) ist allen umliegenden Personen der Salat aus dem Mund gefallen als wir schmunzelnd über die Löhne der anderen bekanntgaben, wie viel wir verdienen. 1 Vollzeit, ein Teilzeitjob, drei Kinder. Wir lagen sehr sehr deutlich unter dem, was die anderen verdienen. Hätten die nie gedacht.😀 „Wie schafft ihr das bloß?“,“ Macht ihr nicht monatlich Schulden?“ Super, und Nö. Wir haben weniger Schulden, als die anderen, weil die ein Haus zu finanzieren haben. Keine Leasingverträge bedienen müssen. Gut, mein Vater will mir sein Haus überschreiben, in dem Haus wohnen wir auch zu Miete, aber da haben wir auch bereits 5 stellige Beträge reingesteckt, weil wir auf eigene Kosten das Bad saniert und den Dachboden ausgebaut haben. Konnte keiner fassen. Und dabei arbeite ich nur zwei Tage die Woche. Mein Mann in einer Naturkosmetikfirma. Wir haben aus Überzeugung „nur“ ein Auto, ganz ohne geht es nicht, da wir sehr ländlich wohnen. Einen großen 7- Sitzer, 14 Jahre alt, verbraucht trotzdem „nur“ 8 Liter Benzin auf hundert, trotz des hohen Eigengewichts und Alters. Ich erreiche meine Stelle mit dem Fahrrad. Viele haben hier zwei Autos, um Nachmittags die Kids von A nach B zu kutschieren, das kostet! Wir machen das alles mit dem Fahrrad. Meine Gesundheit und meine Figur freuen sich. Wir haben keine neuen Handys, (2 pubertierende Kinder) wir kaufen alle gebraucht= günstiger. Ich kaufe da wir viele Personen sind, was ich kann im Großgebinde. (Bio- Rorzucker, Öl, Reis, u.s.w.)Das ist erst einmal ein riesen Betrag, ab dann rechnet es sich. Möbel kaufen wir auch gern gebraucht, aber denn massiv und gut erhalten. Aktuell arbeite ich einen massiven Computerschrank auf. Ich stehe gerne in der Küche und freue mich, wenn es allen schmeckt. Ich backe viel und koche gern. Wir haben Garten, da wachsen nun Kartoffeln, Popcornmais, Blumenkohl, Kräuter….Fleisch verschwindet mehr und mehr aus unserem Speiseplan. Ich kaufe nur einmal die Woche ein, = Zeit- und Geldersparnis.Wir sind aber auch noch nie in Urlaub geflogen, auch aus Überzeugung. Ich wurde schon oft „bewundert“ wie ich es mir leisten kann, uns so viele Lebensmittel in Bio Qualität Leisten zu können. Als wir allen erleutert hatten, wie das bei uns so zugeht und wir trotzdem ein völlig zufriedenes, erfülltes Leben führen und nicht in Lumpen rumlaufen, und den Kitt aus den Fensterrahmen essen müssen wurde es still am Tisch. Wir machen ja nun wirklich einen Solventen Eindruck. Außerdem strahlen wir „so eine Lebensfreude aus“. Ich muss dazu sagen, dass ich Plastikvermeiderin bin und viele meine Öko- Ader kennen.
      Ich bin oft für viele „zu geizig“ ich habe überhaupt keinen Spaß am shoppen. Wenn die Mädels sich in der Stadt verabreden, bin ich nie dabei, das stresst mich total. Ich brauche das nicht. Ich habe Jahrelang im Einzelhandel gearbeitet, bin dabei sehr Konsummüde geworden. Auch das spart Geld.😉 Ich hoffe, dass einige der Beteiligten am Tisch gemerkt haben, auf welch hohen Niveau sie jammern. Immer schön weitermachen, Ihr alle!😉

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      • Das hört sich fast exakt an wie ein Beispiel aus unserem Leben meikeilein! Witzig. Soviele Übereinstimmungen vom alten, großen, soliden Auto mit 8l über die Möbel (Sperrmüll war früher toll) und den so wahrgenommenen Geiz. Ja, wenn man sich die Lebenszeit ausrechnet, die in dem zu konsumierenden Plunder steckt, da kann ich lieber mit dem Kind puzzlen oder Kartoffeln pflanzen!
        Wir finden, dass das eine Art der Unabhängigkeit ist, ein Befreiungsschlag. Ach, ich sollte wirklich einen Beitrag darüber schreiben!
        Liebe Grüße und danke auch nochmals an langsamerleben für den Artikel, ich finde die ganzen Kommentare sehr inspirierend, Oli

  8. Euer Blog macht einfach Freude. So viele spannende Themen!
    Ich selbst bin ebenfalls dabei zu reduzieren, zu reparieren, zu hinterfragen und umzustellen. Und mit jedem Schritt macht es das Leben ein wenig mehr besonders. Liebe Grüße aus dem hohen Norden von
    Meike

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  9. Finde ich gut wie das hier erläutert wurde. Es geht viel um das Verzichten können und sich Zeit für manche Dinge zu nehmen. Es muss einem eben bewusst sein, dass man nicht immer nur den einfachsten bzw. schnellsten Weg gehen kann. Oft muss man eben selbst anpacken. Wirklich schöner Blog!

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  10. Ich bin sehr froh deinen blog entdeckt zu haben, zu wissen, dass es irgendwo da draußen Menschen gibt, die ähnlich ticken. Wir sind vor fünf Jahren in ein altes Haus ohne Heizung aber mit sehr viel Garten drumherum aufs Land gezogen. Es hat unser Denken und Leben sehr verändert. Noch sind wir erst ein kleines Stück in diese Richtung gegangen. Unser Garten versorgt uns schon in vielen Bereichen, anderes schenkt uns die Natur. Unsere Hundespaziergänge sind immer auch Sammelspaziergänge (heute waren es Birkenblätter für den Tee und Efeu für die Wäsche). Letztes Jahr haben wir unsere ersten zwei Bienenvölker erhalten. Noch haben wir viel zu viele unnütze Dinge, aber wir verschlichtern uns langsam, aber stetig. Manchmal kommen Panikanflüge ob der vielen Arbeit und dann wieder die Momente, in denen man einfach nur dankbar ist, diesen Wege gefunden zu haben. Viel Glück und ein großes Dankeschön.

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  11. […] Post “Ist dieser Lebensstil nicht sehr kostspielig?” haben viele spekuliert, dass dieser Weg nicht weniger kostenintensiv sei, sondern vielmehr […]

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