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Life in Plastic…

Nach dem Aluminium-Post wird es jetzt langsam mal Zeit für einen ausführlichen zum Thema Plastik.

Plastik – es ist fast überall; in jeder Kultur, jedem Lebensabschnitt und erst recht in jedem Haushalt tritt kunterbunter Kunststoff allen voran mit dem sauberen Abwischbar-Einweg-Image vermehrt in den Vordergrund. Babys nuckeln daran, Tanten stricken damit, Hunde fressen daraus, wir alle telefonieren damit: Plastik. Doch was ist das überhaupt?

PVC, Vinyl, Polyester, Nylon, Polyethylen, Zelluloid, Kunstharz, Polystyrol, Polyamid, PET, Silikon… es ist genauso die Zahnbürste im Bad wie der Schaumstoff der Matratze, der Bezug der Kunstledercouch, der Klodeckel, das Laminat, die Isolierung der Kabel in der Wand, Computer, Verpackungen, Mülleimer, Windeln, Lampenschirme, Shampooflaschen, Regenjacken, Autoreifen, Hüpfburgen, Toaster, Reisekoffer, Strohhalme, Kuscheltiere. Wir leben in einer Welt aus Plastik, sozusagen im „Plastikzeitalter“, wie Werner Boote in seinem Dokumentarfilm „Plastic Planet“ (2010) treffend beschreibt (unbedingt ansehen!).

Plastik ist günstig in der Herstellung, leicht, nahezu unverwüstlich, witterungsbeständig, in allen Farben und ungeheueren Mengen vorhanden:

„Die Menge an Kunststoffen, die wir seit Beginn des Plastikzeitalters produziert haben, reicht aus, um unseren gesamten Erdball sechs Mal in Plastikfolie einzupacken.“ –Quelle

Zum Plastikmüllproblem habe ich bereits diesen Post geschrieben. Hier möchte ich aber auf einen weiteren wichtigen Aspekt des Kunststoffes eingehen: Leaching.

Leaching beschreibt einen Prozess; Plastik ist immer ein unorganisches Material aus Erdöl und Chemie. Darin bewahren wir etwa unsere Lebensmittel auf – und es treten durch Hitze, Kälte, Reibung, Schnitte, Reinigungsmittel und Wasser gefährliche Chemikalien aus. Das hormonähnliche Bisphenol A (BPA) ist zum Beispiel tatsächlich „in aller Munde“… und dies ist nur ein Stoff von vielen. Phtalate, Weichmacher, die Liste ist lang, die Wissenslücken der Wissenschaft darüber groß (Quelle) und die austretenden Stoffe, darunter sogenannte „Umwelthormone“, gefährlich für Mensch und Tier:

„Beim Menschen stehen Umwelthormone im Verdacht, Hoden-, Prostata- und Brustkrebs zu fördern und zu Missbildungen der Genitalien von Jungen sowie zur abnehmenden Fruchtbarkeit von Männern beizutragen.“ –Quelle

Rottet der Mensch sich so letztenendes selber aus? Was tun wir eigentlich mit Plastik im Alltag…? Tupperdosen in die Mikrowelle stellen, Schnuller abkochen, Rührschüsseln in die Spülmaschine tun, Reste in Plastik einfrieren. Genau das sollte man vermeiden.

Gibt es sicheres Plastik?

Eine Studie von Greenpeace 2005 brachte erschreckende Ergebnisse zum Thema Kinderspielzeug hervor (Link). Seitdem ist viel Zeit vergangen, und einige Stoffe, wie BPA, seit 2010 in Europa verboten. Doch wie gut funktioniert unsere Chemikalienpolitik? Ein Blick auf die Unterseite der Küchenwaage (wieder Plastik) genügt zur Antwort: „Made in China“. Dort sind solche Stoffe noch voll im Einsatz und kaum zu unterbinden, solange hier die Nachfrage besteht:

„Der Trick ist ja, dass die Industrie das so lange wie möglich hinauszögert, bis der Stoff herausgenommen wird. Jeder Tag, den sie es länger verschleppen, bringt der Industrie immens viel Geld.“ –Quelle

Nun mag man sich natürlich fragen, ob BPA-freies Plastik tatsächlich sicher sei. Eine Studie von 2011 zeigt uns: nein. Von den getesteten Kunststoffen, darunter auch BPA-freie Produkte, traten aus bis zu 95% der untersuchten Plastikteile östrogenartige Hormone aus (Quelle).

Fazit: vermeidet Plastik, wie und wo ihr könnt (Anregungen dazu findet ihr hier im Blog). Fragt in Läden nach verpackungsfreien Lebensmitteln und bringt selber Behälter mit. Klärt eure Familie, Freunde, Nachbarn auf. Schreibt Beschwerdebriefe an große Firmen und Politiker. Steigt gerade im Lebensmittelbereich um. Im Film „Plastik über alles“ (2008) werden einige Perspektiven und Forschungsansätze vorgestellt, doch es ist nach wie vor der Verbraucher, der letztenendlich die Wahl trifft und die Wirtschaft zum Handeln – oder Nichthandeln – auffordert. Jeder noch so kleine Schritt zählt.

Trinklernbecher ade!

Bevor ich mich entschloss, „langsamer“ zu leben, habe ich für meinen Sohn einen Trinklernbecher gekauft. Der Nuby-Becher kostete im Dm mit Eigenmarken-Schildchen und Nubyaufschrift 2,99 €, im Bioladen kostete der gleiche Becher mit Nuby-Umkarton 14,99 €…

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Mein Kleiner hat allerdings keine Freude daran, weil er lieber aus einem „normalen“ Becher trinkt. Schmeckt ja auch viel besser als aus einer Plastiktasse – vergleicht mal selber Tee aus Plastik und Keramik – und so lernt er tatsächlich trinken, nicht nur saugen. Klar, am Anfang gab es etwas Sauerei, aber das hat uns allen nicht geschadet. Er trinkt ohnehin vor allem Wasser oder – sein Favorit! – frisch gebrühten Zitronengrasstee ohne Zusätze (laut Hebamme unbedenklich).

Schlecht für die Zähne finde ich den bunzlauer Becher auch nicht, weil er schnell gelernt hat, nicht darauf herum zu beißen.

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Ein Trinklernbecher mag für unterwegs ganz praktisch sein, aber die Paar Minuten, um kurz Pause zu machen und ihm etwas in einen Becher einzuschenken, habe ich auch so. Jedenfalls steht der Nubybecher hier jetzt ungenutzt herum und wird in eine Freebox wandern, wie zuvor die Badeente.