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Montagsfreude

Heute war ich beim Fleischer um die Ecke, wo es auch herrliche saisonale und regionale Produkte wie Äpfel, Nudeln, Eier und natürlich Fleisch gibt. Da die Verkäufer ohne Plastikhandschuhe arbeiten, steht ein Kassenautomat in der Ecke, wo man seine Quittung selber einscannen und dort bezahlen muss. Viele der Produkte bekommt man allerdings nur in Plastik. Heute habe ich mal tief Luft geholt und gefragt, ob ich meine eigene Büchse zum Transport mitbringen dürfte, um so Verpackungsmaterial zu sparen. Schließlich hängt in der Fleischerei (!) sogar ein Hinweis auf die Plastiktütenproblematik. Antwort: „Hinter die Theke dürfen wir Ihre Gefäße nicht nehmen…“ die Verkäuferin dachte ein Weilchen nach: „aber auf die Theke dürfen Sie die Büchse stellen! Dort dürfen wir dann auch Dinge hineinlegen.“ Beim Hinausgehen rief sie mir noch hinterher: „Dieses Plastik gehört ohnehin verboten!“. Auch wenn es kein Biofleischer ist: allein diese Mentalität gehört unterstützt. Ich freue mich über diesen kleinen Fortschritt und nehme fortan immer meine Brotdose mit. Kauft ihr auch „mit Büchse“ ein?

Life in Plastic…

Nach dem Aluminium-Post wird es jetzt langsam mal Zeit für einen ausführlichen zum Thema Plastik.

Plastik – es ist fast überall; in jeder Kultur, jedem Lebensabschnitt und erst recht in jedem Haushalt tritt kunterbunter Kunststoff allen voran mit dem sauberen Abwischbar-Einweg-Image vermehrt in den Vordergrund. Babys nuckeln daran, Tanten stricken damit, Hunde fressen daraus, wir alle telefonieren damit: Plastik. Doch was ist das überhaupt?

PVC, Vinyl, Polyester, Nylon, Polyethylen, Zelluloid, Kunstharz, Polystyrol, Polyamid, PET, Silikon… es ist genauso die Zahnbürste im Bad wie der Schaumstoff der Matratze, der Bezug der Kunstledercouch, der Klodeckel, das Laminat, die Isolierung der Kabel in der Wand, Computer, Verpackungen, Mülleimer, Windeln, Lampenschirme, Shampooflaschen, Regenjacken, Autoreifen, Hüpfburgen, Toaster, Reisekoffer, Strohhalme, Kuscheltiere. Wir leben in einer Welt aus Plastik, sozusagen im „Plastikzeitalter“, wie Werner Boote in seinem Dokumentarfilm „Plastic Planet“ (2010) treffend beschreibt (unbedingt ansehen!).

Plastik ist günstig in der Herstellung, leicht, nahezu unverwüstlich, witterungsbeständig, in allen Farben und ungeheueren Mengen vorhanden:

„Die Menge an Kunststoffen, die wir seit Beginn des Plastikzeitalters produziert haben, reicht aus, um unseren gesamten Erdball sechs Mal in Plastikfolie einzupacken.“ –Quelle

Zum Plastikmüllproblem habe ich bereits diesen Post geschrieben. Hier möchte ich aber auf einen weiteren wichtigen Aspekt des Kunststoffes eingehen: Leaching.

Leaching beschreibt einen Prozess; Plastik ist immer ein unorganisches Material aus Erdöl und Chemie. Darin bewahren wir etwa unsere Lebensmittel auf – und es treten durch Hitze, Kälte, Reibung, Schnitte, Reinigungsmittel und Wasser gefährliche Chemikalien aus. Das hormonähnliche Bisphenol A (BPA) ist zum Beispiel tatsächlich „in aller Munde“… und dies ist nur ein Stoff von vielen. Phtalate, Weichmacher, die Liste ist lang, die Wissenslücken der Wissenschaft darüber groß (Quelle) und die austretenden Stoffe, darunter sogenannte „Umwelthormone“, gefährlich für Mensch und Tier:

„Beim Menschen stehen Umwelthormone im Verdacht, Hoden-, Prostata- und Brustkrebs zu fördern und zu Missbildungen der Genitalien von Jungen sowie zur abnehmenden Fruchtbarkeit von Männern beizutragen.“ –Quelle

Rottet der Mensch sich so letztenendes selber aus? Was tun wir eigentlich mit Plastik im Alltag…? Tupperdosen in die Mikrowelle stellen, Schnuller abkochen, Rührschüsseln in die Spülmaschine tun, Reste in Plastik einfrieren. Genau das sollte man vermeiden.

Gibt es sicheres Plastik?

Eine Studie von Greenpeace 2005 brachte erschreckende Ergebnisse zum Thema Kinderspielzeug hervor (Link). Seitdem ist viel Zeit vergangen, und einige Stoffe, wie BPA, seit 2010 in Europa verboten. Doch wie gut funktioniert unsere Chemikalienpolitik? Ein Blick auf die Unterseite der Küchenwaage (wieder Plastik) genügt zur Antwort: „Made in China“. Dort sind solche Stoffe noch voll im Einsatz und kaum zu unterbinden, solange hier die Nachfrage besteht:

„Der Trick ist ja, dass die Industrie das so lange wie möglich hinauszögert, bis der Stoff herausgenommen wird. Jeder Tag, den sie es länger verschleppen, bringt der Industrie immens viel Geld.“ –Quelle

Nun mag man sich natürlich fragen, ob BPA-freies Plastik tatsächlich sicher sei. Eine Studie von 2011 zeigt uns: nein. Von den getesteten Kunststoffen, darunter auch BPA-freie Produkte, traten aus bis zu 95% der untersuchten Plastikteile östrogenartige Hormone aus (Quelle).

Fazit: vermeidet Plastik, wie und wo ihr könnt (Anregungen dazu findet ihr hier im Blog). Fragt in Läden nach verpackungsfreien Lebensmitteln und bringt selber Behälter mit. Klärt eure Familie, Freunde, Nachbarn auf. Schreibt Beschwerdebriefe an große Firmen und Politiker. Steigt gerade im Lebensmittelbereich um. Im Film „Plastik über alles“ (2008) werden einige Perspektiven und Forschungsansätze vorgestellt, doch es ist nach wie vor der Verbraucher, der letztenendlich die Wahl trifft und die Wirtschaft zum Handeln – oder Nichthandeln – auffordert. Jeder noch so kleine Schritt zählt.

Tupper ade!

Im Zuge meiner Plastiverbannungsarbeiten mussten auch die allseits bekannten Plastikdosen den Weg in die Werkstatt gegen, wo ich sie weiterhin zur Lagerung von diversem Kleinkram einsetzen werde. Die Dinger einfach nur wegzuschmeißen, weil sie aus Plastik sind, wäre schließlich nur eine unnötige Müllansammlung.

Stattdessen nutze ich jetzt hauptsächlich Schraubgläser für offene Lebensmittel. Ich nehme auch schon seit Jahren alte Einweckgläser für Mehl, Nüsse, Haferflocken und co. Sieht schön aus und hält die Sachen trocken. Findet man auf Flohmärkten, in Omas Speisekammer und im Internet. Schraubgläser kann man auch wunderbar zum Einfrieren benutzen; man sollte nur darauf achten, die Gläser nicht ganz zu füllen und den Deckel erst dann richtig zuzuschrauben, wenn die Masse gefroren ist (sonst gibts Glassbruch).

Für die Stulle oder den Salat unterwegs habe ich dann doch noch Brotdosen aus Edelstahl besorgt, weil niemand Glasssplitter im Rucksack haben will. Die sehen ausserdem noch schick aus und die Lebensmittel „schwitzen“ nicht mehr und schmecken vor allem nicht nach Plastik. Einige Firmen stellen die Dinger her – Sigg, Mato, Lunchbots etc. . Ganz preisgünstig sind sie zwar nicht – so um die 15 Euro fängts an – dafür halten sie bestimmt länger als ihre Vetter aus Plastik. Man bekommt sie online und in Outdoorläden.