Posts Tagged ‘Wickeln’

Wolle selber imprägnieren

In diesem Post geht es darum, Wolle mit Wollwachs zu behandeln, um sie wasserabweisend zu machen. Dies ist insbesondere bei Windelüberhosen aus Wolle wichtig (meinen Post zu Stoffwindeln findet ihr hier), aber auch Lodenjacken und andere Wollsachen, die etwas wetterfester sein sollen, können die gelegentliche Behandlung gut gebrauchen. Nach dieser Anleitung bekommt ihr das übrigens auch ganz ohne lästige Wollwachsflecken hin.

Welches Wollwachs sollte ich nehmen?

Oft ist das Wollwachs bzw. Lanolin, was man auf dem Markt findet, mit Vaseline gepanscht, mit Pestiziden verseucht oder mit Wasser gestreckt. Davon rate ich sehr ab. Kleine Tuben sind auch viel teurer als ein kleiner Topf. Lest hier meinen Post zum Thema Wollwachs mit Kaufempfehlung.

Woran erkenne ich, ob ein Wollstück imprägniert werden muss?

Der Wassertest: Wenn das Wollstück schwimmt und sich an der Oberfläche kleine Wasserpfützen bilden, ist alles gut. Wenn das Teil oben schwimmt, sich ein Paar Pfützen an der Oberfläche gebildet haben aber auch einige stellen sich mit Wasser vollgesogen haben, könnte die Bahandlung nicht schaden. Wenn die Überhose sich komplett vollsaugt und nach unten sinkt, ist es höchste Zeit, mal folgendes zu tun:

Das Wollstück waschen

Manche Wollsachen vertragen die Waschmaschine (30 Grad im Wollwaschprogramm, nicht überschleudern), andere wäscht man besser per Hand. Dafür lauwarmes Wasser in das Waschbecken fließen lassen, mit wenig Shampoo oder Wollwaschmittel waschen, ein Paar Minuten sitzen lassen, ausspülen.

Mit Wollwachs imprägnieren

Hierfür braucht ihr Wollwachs, Shampoo oder Wollwaschmittel und ein kleines Gefäß zum mischen (etwa ein kleines Marmeladenglas mit Deckel). Wenig Wollwachs reicht völlig aus! Für eine Windelhose etwa benötigt ihr bloß eine etwa erbsengroße Portion davon, für einen Wollpullover etwa einen gestrichenen Teelöffel. Dies mit etwa gleich viel Wollwaschmittel oder Shampoo in das Gefäß tun und dieses anschließend mit heißem Wasser (so heiß es der Wasserhahn ausspuckt reicht) im Gefäß schütteln, bis das Ganze weißlich aussieht und keine Klümpchen zu sehen sind. Das Wollstück in etwas lauwarmem Wasser durchspülen und das Wollwachsmittel langsam unter ständigem Rühren im Wasser verteilen. Das Gefäß ausspülen und diesen Rest ebenfalls ins Waschwasser hineingeben. Die Wolle gut 10 Minuten in diesem Wollwachsbad lassen. Dann das Wollstück falten, vorsichtig ausdrücken, in einem Handtuch aufwickeln und nochmals gut drücken. Anschließend etwas in Form ziehen und an die Wäscheleine hängen. Zum trockenen braucht das gute Stück bis zu 48 Stunden.

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Ein Hoch auf die Stoffwindel!

Die Stoffwindel ist ein trauriges Beispiel für eine Sache, die zwar jeder kennt, aber vielerorts schon allein deswegen in Vergessenheit geraten ist, weil die Einweg-Werbung lauter schreit als jegliche Vernunft.

Wir sind überzeugte Stoffwindelnutzer. Kein Plastik. Keine Weichmacher. Kein Chemiegestank (bei dem Geruch einer Pampers wird mir übel!). Kein Abfall, wenig Kosten. Weiche, bunte Biobaumwolle. Keine allergischen Reaktionen oder wunde Stellen. Kein Auslaufen, die hält Nachts 12 Stunden dicht. Mein Mann sagt gerade, ich solle auch noch „explizit sagen, dass man nicht riecht, wenn die Windel vollgesch… ist!“.

Warum man überhaupt die Einwegvariante wählt ist mir wohl genauso schleierhaft wie vielen anderen die Vorstellung, mit Stoff zu wickeln. Es gäbe da aber vor allem 2 Faktoren zu berücksichtigen. Den Umweltfaktor:

Der Müllberg, den ein zweieinhalbjähriges Wickelkind hinterlässt, wäre aufgestapelt etwa 5 Meter hoch und fast 1 Tonne schwer. Und er bleibt uns mit seinem 65%igen Holzfaser- und Plastikanteil rein substanziell mindestens 55 (und bis zu 500) Jahre erhalten. Dazu kommt noch die Verpackung der Einwegwindeln (die aber wenigstens in den letzten Jahren stetig geschrumpft ist). Dennoch reicht es im Schnitt zu angeblich 5% des deutschen Müllaufkommens, in manchen Städten zu sage und schreibe 10%.

Quelle

In Österreich z.B. gibt es sogar schon eine Art der staatlichen Subventionierung für Stoffwindelnutzer, um die Müllberge im Zaum zu halten.

Bleibt noch der Kostenfaktor. Welche junge Familie freut sich nicht, wenn Gutes weniger kostet? Abgesehen davon, dass man Stoffwindeln natürlich auch gebraucht kaufen kann, kostet eine Neuanschaffung von 20 mitwachsenden Stoffwindeln, die mittlerweile wie ihre Einwegvetter zu benutzen sind, 300 Euro (die hier sind sehr zu empfehlen).

Gehen wir davon aus, dass ein Baby täglich 8 Windeln verbraucht und diese 20 Cent das Stück kosten. Das sind 1,60 Euro täglich. Da haben sich die Stoffwindeln nach einem halben Jahr schon mehr als gelohnt…

Für Neugeborene bis 2 Wochen und Frühgeborene empfehle ich trotzdem die gefaltete Mullwindel (zumindest tagsüber). Mullwindeln sind ohnehin als Spuck- und Schnuffeltücher unerlässliche Begleiter. Hier sieht man, wie sie zu falten sind.

Auf der etwas unübersichtlichen, aber gut durchdachten Seite http://www.naturwindeln.de findet man alle gängigen Stoffwindelarten, Preise, Vergleiche und Bewertungen von Imse Vimse, Totsbots, Bumgenius, Popolini…

Man kann entweder kompostierbare Vlieseinlagen (im Karton ohne Plastik) reintun, welche man waschen kann. Sollte die Windel wirklich voll sein, wird das Windelvlies im Klo entsorgt. Oder man verzichtet darauf und spült die Windel mit einer Windeldusche aus (wir haben uns für Ersteres entschieden).

Die Mullwindeln trocknen sehr schnell; dickere Stoffwindeln brauchen 2 Tage auf der Wäscheleine. Sie können zwar auch in den Wäschetrockner, aber solch ein Gerät schadet m.E. mehr als es nützt. Wer sich vor dem Windelwaschen ekelt, findet sicher einen Windeldienst wie diesen hier ganz in der Nähe.

Zum Wischen nehmen wir nur dünne Flanellwaschlappen und kaltes, frisches Wasser. Da sparen wir also auch ordentlich. Und wenn die letzte Tube Wundschutzcreme alle ist (wir haben sie zur Geburt in Massen geschenkt bekommen), wird auch diese einfach selbst gemacht.