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Ich warte nicht mehr!

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„Durchschnittlich 374 Tage seines Lebens verbringt der Mensch mit Warten.“ – Quelle

Der Titel dieses Posts ist zugegebenermaßen etwas voreilig formuliert worden. Natürlich warte ich noch. Warten, bis die Ampel grün wird. Warten, bis der Toast endlich dem Toaster entspringt (und man singen kann „Es ist ein Toast entsprungen aus einem Toaster zart“). Davon ist hier nicht unbedingt die Rede.

Ich meine diese lästigen Wartezeiten beim Arzt, auf den Bus, bei Bahnfahrten, auf ein Arbeitstreffen. Eine ehemalige Schulkameradin sagte mir einst, sie beneide Raucher manchmal um den Zeitvertreib des Zigarette ansteckens. Wie traurig.

Ich habe das aktive Warten für mich entdeckt, oder wie man das nennen mag. Einer meiner Kollegen hatte früher für jeden Stau oder noch so kleine Stockung des Verkehrs als Autofahrer sein Hümmelchen im Handschuhfach, aber man muss ja nicht gleich Dudelsack spielen. Das Handy herausnehmen und damit herum zu daddeln ist aber wenig produktiv und so zeitgeisthaft. Was ich gern mache:

  • Lesen oder ein Hörspiel hören
  • Freundlich aussehende Menschen in Gespräche verwickeln
  • Zeichnen
  • Briefe oder Postkarten schreiben
  • Stricken, Häkeln oder Sticken (im Moment stricke ich oben abgebildeten Schlafsack aus dem netten Buch „Niedliche Maschen für die Kleinsten“).

So muss man zwar noch immer genau so viel warten, man hat aber was davon (und meinerseiner wird nicht mehr so schnell ungeduldig). Irgendwas habe ich immer parat, damit ich im Ernstfall nicht auf die Boulevardpresse vom Wartezimmertisch angewiesen bin (schauder und grusel). Was sind eure Überlebensstrategien, wenn es mal etwas länger dauert?

Wann machst du das alles? Hat dein Tag 48 Stunden?

So, jetzt melde ich mich nach langer Pause wieder zurück – Umzug, komplette Renovierung eines vor 1900 gebauten Hauses (mauern, verputzen, Böden verlegen, streichen, tapezieren, fluchen und freuen inklusive), viele neue Projekte als freiberufliche Künstlerin und die neu entdeckte Leidenschaft der Gartenarbeit hat mich ziemlich davon abgehalten. Und die ersten Sonnenstrahlen. Das erste Löwenzahnpesto des Jahres. Wandern gehen. Und der liebe Alltag – um den soll es heute ohnehin gehen. Aber erst ein kleiner Jubelruf: der Blog ist heute genau zwei Jahre alt geworden! Seit ich mit dem Schreiben hier anfing, sind wir zwei Mal umgezogen, und es hat sich einiges getan. Das freut mich.

Jetzt endlich zum eigentlichen Thema des Posts: Fragen über Fragen, Teil 1. Mich erreichen immer wieder Fragen wie „Wann machst du das alles? Hat dein Tag 48 Stunden?“ – nein. Habe ich nicht. Neben dem Beruf habe ich ähnliches zu jonglieren wie viele andere auch: Familie, Freunde, Verwandschaft, Putzen, Kochen, Wäsche aufhängen. Und nebenbei experimentiere ich in meiner Hexenküche an selbstgemachtem Waschmittel und anderen Dingen herum, mache Sport, treffe mich mit Freunden, lese, mache Musik, und schreibe hier ein wenig vor mich hin. Es gibt aber ein Paar Faktoren, die das alles begünstigen. Dinge, die nicht klein zu reden sind.

1. Ich bin nicht allein.

Ich bin mit einem wunderbaren Menschen verheiratet, der das alles nicht nur hinnimmt, sondern auch unterstützt und selber Iniatiative ergreift. Desweiteren haben wir einen bunt zusammengewürfelten Freundeskreis und Verwandte vor Ort. Solch ein Netzwerk ist unbezahlbar – der eine spendiert überschüssige Tomatenpflänzchen, der nächste führt einen ins Thema foodsharing ein, viele haben uns beim Renovieren und umziehen geholfen, der nächste kommt einfach mal zum Seife sieden vorbei oder setzt mit dir Kartoffeln. Dann gibt es die, die man immer mit Gartenfragen belästigen kann (danke Mama), die, die sich mit Alternativmedizin beschäftigen und so weiter… dafür tun wir auch, was wir können, um uns zu revanchieren. Wir greifen einander gegenseitig unter die Arme und schön ist, dass keiner alleine da stehen muss. Oft verschenken wir auch Selbstgemachtes – ist ja klar.

2. Neue Selbstverständlichkeiten.

Wenn wir einen Film sehen, stricke ich nebenbei (den Fernseher haben wir vor 6 Jahren abgeschafft, weil er ohnehin nie eingeschaltet wurde, aber auf dem Computer kann man in Mediatheken und per DVD immer noch die Dinge sehen, die einen wirklich interessieren, ohne dass man an Zeiten gebunden wäre). Auch am Wochenede stehen wir gegen sieben auf – vor allem wegen unseres kleinen Kindes, aber man hat einfach mehr vom Tag. Wenn wir einen Auflauf machen, schieben wir schnell Muffins mit in den Ofen – das spart Energie und das Frühstück für den nächsten Tag ist auch gleich fertig. Wenn ich zwischendruch etwas Zeit habe, mische ich kurz Scheuerpulver an. Im Wartezimmer beim Arzt habe ich immer etwas zu lesen dabei.  Und so weiter. Da gibt es sicher für jeden Menschen andere Dinge, die man gut kombinieren kann.

3. Stressfaktoren müssen draussen bleiben.

Einkauf: Wir gehen nur einmal die Woche einkaufen und planen unser Essen im Vorraus. Dann fahre ich zwar zu drei verschiedenen Läden, aber zum Demeterhof, wo wir unsere Milch holen, fahren wir nur alle 4 Wochen, weil wir uns mit anderen abwechseln. Da ist wieder die Gemeinschaft gefragt.

Krempel: Minimalisten sind wir zwar noch lange nicht, aber wir spenden und verkaufen, entsorgen und verschenken jede Woche irgendwas. Schaut mal hier und hier.

Putzen: Ein Putzplan und ein paar wenige Reinigungsmittel sind alles, was wir brauchen. Schaut mal hier.

Verantwortung: Wir übernehmen volle Verantwortung für uns, und für den Kleinen natürlich. Und für die Katzen. Aber nicht mehr für andere. Wir helfen und unterstützen wo wir können, aber nicht so, dass wir uns ausnutzen lassen. Das haben wir beide schon erlebt und es hilft keinem weiter.

4. Ich mach das gern.

Dieser Blog, die Anleitungen, die Fotos: ich mach das gern. Ich bin ein neugieriger Mensch, und tüftel gern vor mich hin. Was den einen stressen mag, ist für mich Entspannung pur und eine ziemliche Loslösung vom Alltag (beruflich mache ich was sehr anderes). Ich empfehle niemandem, einen Lebensweg zu wählen, mit dem er sich nicht wohlfühlen kann. Wo kämen wir auch sonst hin?

5. Beruf und Kinderbetreuung.

Ich ziehe meinen Hut vor jedem Alleinerziehenden, gerade vor denen, die auch noch arbeiten. Wir haben tolle Tageseltern gefunden und sind zu zweit, aber der Alltag ist so schon manchmal turbulent genug. Wir sind beide berufstätig, allerdings häufig zu unterschiedlichen Zeiten. Ich arbeite manchmal viel am Wochenende oder Abends, dann bleibt tagsüber mehr Zeit für Haushaltskram. Oder mein Mann arbeitet weniger und kann zuhause mehr machen. Manchmal sind wir jeweils wochenlang unterwegs. Das pendelt sich jetzt nach dem Umzug und der ganzen Renoviererei erst wieder ein.

6. Nobody’s perfect.

Ich gestehe: ich habe auch manchmal Geschirrspültabs im Schrank oder kaufe was in doppelter Plastikverpackung. Dann ärgere ich mich zwar ein bisschen, weil es meinen Vorstellungen wiederspricht, aber nicht allzu sehr. Ich stehe mit vielen Dingen noch sehr am Anfang und Dogmatismus ist nicht mein Ding. Das Leben soll ja Spaß machen und jeder kleine Schritt ist mir genauso wichtig wie ein großer.