Krimskrams ade!

Die Sammlung von Aufziehtierchen, die wir uns zu Studienzeiten schenkten. Die rosageblümten Eierwärmer meiner Grossmutter. Das Klappbuch „die perfekte Schwiegermutter“. Die Shampooproben, die eh keiner benutzt. Der geschwungene Honiglöffel. Der Modeschmuck. Der tausendste Kerzenständer. Das Fensterputzgerät.

KRAM.

Man fühlt sich manchmal verpflichtet. Oder gebunden. Oder ausgeliefert – ich jedenfalls – wenn ich zu viel Kram um mich herum habe. Dann fülle ich voller Eifer leere Kartons mit Dingen, die vielleicht noch jemand haben will (stelle ich als „zu verschenken“ in den Hausflur und hefte einen Zettel mit Wegwerftermin an) und schmeiße offensichtlichen Müll einfach weg. Manches kann ich auch gut verkaufen, was zusätzlich motiviert.

Es tut unglaublich gut, einen Raum nach dem anderen durchzugehen und das ganze überflüssige Zeug loszuwerden. Ein Regalbrett nach dem anderen, dann die Schubladen, Schränke und Oberflächen. Und sei es nur fünf Minuten am Tag, bis ich weiß: es lauern nirgends mehr diese „Nester“ auf mich. Mindestens einmal im Jahr tue ich das.

Klar liebe ich meine Familie. Auch meine Freunde. Aber nur deßhalb Dinge aufheben? Nein. Auch liebe ich viele Geschichten und Erinnerungen, die an manchen Sachen hängen. Aber da reicht mir oft auch ein Foto des Gegenstandes. Bin ich deswegen unsensibel?

Dieses ganze Zeug kann eine erdrückende Belastung bedeuten. Man kann sich darin verstecken. Sich darüber definieren. Sich verantwortlich fühlen. Man kauft Dinge, die das Leben schöner machen sollen. Bücher, die man lesen möchte. Plötzlich sind sie da. Können nicht weg, weil sie ja so teuer waren… und nehmen einem damit die Luft zum Atmen.

Manches gehört einem gar nicht selber – Frist setzten, weg damit! Ich prüfe jetzt genauer, was ich überhaupt ins Haus lasse, und trenne mich schnell von Dingen, die keinen Zweck erfüllen. Besonders Nützliches und Schönes darf bleiben. Bei Dingen von reinem sentimentalen Wert frage ich mich immer: „wird mein Sohn damit was anfangen können…?“.

Man kann vielen Leuten eine Freude machen – Freebox, Ebay, Umsonstladen, Spendeninitiativen. Es muss ja nicht gleich auf dem Müll landen!

Erfrischend ist das. Alles hat seinen Platz. Putzen ist einfacher, wenn weniger rumsteht. Ordnen und wiederfinden auch. Wirklich schätzen und benutzen, was man hat. Minimalismus? Ein Traum. Ich arbeite daran.

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13 responses to this post.

  1. Posted by Jannika on Juli 23, 2013 at 4:41 pm

    Es ist doch auch einfach ein schönes Gefühl, wenn man an einem Tag sein überfülltes Regal sieht, und nach einer halben Stunde oder so halbleere Fächer und Schubladen hat, weil einfach mal überflüssiger Kram weg ist.

    Bis vor ein paar Wochen hatte ich eine Kommodenschublade, eine Regalschublade und ein Regalfach mit Kosmetikzeug. Das meiste war irgendein Impulsiv- oder Fehlkauf, der seit Monaten Platz wegnahm (Schampoo, das nach Kaugummi roch, Makeup, das ich nie benutze, etc).

    Bis ich irgendwann mal sortiert habe, was ich wirklich benutze. Siehe da, ein halbes Regalfach – in dem auch noch Spiegel und ähnliches stehen. Nur ein kleines Beispiel, aber wenn man das gleiche auf Kleidung anwendet, ist der Schrank halb so voll und doppelt so übersichtlich (ja, das T-shirt ist schön und das wurde mir mal geschenkt – aber es ist auch kaputt und zu kurz…), sortiert man seine diversen „Nettigkeiten“ die irgendwo mal dabei waren, verschwinden einige Staubfänger. Nicht, dass ein bisschen Dekoration nicht nett wäre – aber manchmal ist weniger auch mehr. Aber das muss auch einmal gelernt werden.

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  2. Posted by S.B. on Juli 29, 2013 at 11:08 pm

    Mit dem Thema beschäftige ich mich derzeit auch, schon witzig, dass es hier auch nochmal auftaucht. Aber es liegt ja auch auf der Hand, alles greift ineinander: Verzicht, Aussortieren, Nachhaltigkeit, Sparen…
    Man muss sich wirklich mal bewusst machen, dass alles, was wir haben irgendwann (wohl spätestens nach unserem Tod, sofern keiner den Kram erbt) zu Abfall wird. Das war’s dann. Und auch zu Lebzeiten verdrängen wir das ganze Zeug und spätestens beim nächsten Umzug muss man sich wieder damit auseinandersetzen und flucht sicherlich das ein oder andere Mal darüber, wie viel Geld man sinnlos verschleudert hat und dass die Flut an Dingen kein Ende nimmt.
    Ich bin auch noch davon entfernt völlig minimalistisch zu leben, aber ich überlege um einiges genauer, was ich kaufen will. Auch von diesen obligatorischen Geschenken will ich weg (weder erhalten noch geben), aber das scheint wieder schwieriger zu werden, da nicht alle im Umfeld diese Ansicht teilen. Ich meine damit wirklich diese „Mitbringsel“ oder wahllos gekauften Geburtstags-und Weihnachtsgeschenke (aka „nur ’ne Kleinigkeit“… auch Zeug, das gerne dazugeschenkt wird). Etwas liebevoll Ausgesuchtes oder Selbstgemachtes, was man sich vielleicht auch schon länger gewünscht hat, ist sicher ok. Aber oft kriegt man eben nicht sowas, sondern das andere.
    Auch über die vielen jungen Frauen, die so gerne am Wochenende auf Shoppingtour gehen, dann aber doch nie was zum Anziehen haben, kann ich mich nur wundern. Ich shoppe nicht gern und träume von einer minimalistischen Garderobe: Ein zeitloser Stil, der gut zu mir passt, ohne lange vorm Schrank überlegen zu müssen. In ferner Zukunft vielleicht, wenn meine jetzigen Sachen verschlissen sind. Immerhin kaufe ich nichts neues und trendiges dazu. Am liebsten mag ich sowieso Basics in schwarz und meine selbstgestrickten Sachen (auch wenn das bei meiner Vorliebe fürs Stricken und Häkeln nicht unbedingt minimalistisch ist).

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  3. […] Daher bin ich dazu übergegangen, immer mehr selber zu machen, möglichst mit einfachen Mitteln. Ich will genau wissen, was ich mir aufs Brot schmiere, wer meine Klamotten näht, was in meinem Badschrank steht, wo das Holz meiner Möbel herstammt, womit ich meine Wohnung putze, was in meinen Medikamenten ist, und da liegt es nahe, Alternativen zu suchen und sich mit Gleichgesinnten auszutauschen. Und immer wieder die Frage: brauche ich das überhaupt? […]

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  4. […] Freunden, Kollegen über die Baumwollproblematik. 5. findet heraus, was ihr wirklich braucht, und reduziert. So kauft ihr weniger und bewusster […]

    Antwort

  5. […] ist nicht jedermanns Sache. Nach einigen Anfragen, die auf meinen Beitrag “Krimskrams ade” folgten, möchte ich euch hier einen kleinen Einstieg in die wunderbare Welt des Loslassens […]

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  6. Ich kaufe weniger, seitdem ich radikal ausgemistet habe.
    Warum?
    „Ich hab letzte Woche 10 Jeans aussortiert, weil ich sowieso nur 2 brauche, da werd ich mir jetzt keine Neue kaufen! Das ist doch Geldverschwendung! Da hätte ich die 10 auch behalten können!!“
    Bei mir funktioniert es nach diesem Prinzip.
    Oder: „Jetzt hab ich mir soviel Mühe gegeben, Platz im Regal zu schaffen, da werd ich ihn doch nicht gleich wieder zumüllen!“

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  7. Posted by Nicole on Dezember 29, 2014 at 12:11 am

    Ich sortiere regelmäßig Kleidung die ich nicht mehr trage aus. Was noch Top in Ordnung ist geht mit zum kleidertausch laden wo ich die Sachen gegen „neue “ lieblingsstücke tausche. Die anderen Sachen werden wenn der Stoff noch taugt upgecycelt zu stoffbeuteln, Schutzhüllen für meine Bücher die ich so zahlreich bei mir trage ( Fachliteratur aus der Bibliothek zum lernen ), mäppchen etc

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  8. […] Krempel: Minimalisten sind wir zwar noch lange nicht, aber wir spenden und verkaufen, entsorgen und verschenken jede Woche irgendwas. Schaut mal hier und hier. […]

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  9. Posted by Juma on Mai 9, 2015 at 10:02 pm

    Was ist eine Freebox?

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    • In Berlin üblich: eine Kiste mit Dingen füllen, die du nicht mehr haben magst, und auf den Bürgersteig stellen. Abends die leere Kiste wieder reinholen 🙂

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  10. Posted by ozelot on Juli 13, 2015 at 9:11 am

    Man kann auch beim örtlichen Arbeitskreis Asyl nachfragen, ob und was die benötigen. Manche Flüchtlingsberatungsstellen haben bspw. einen kleinen Umsonstladen. Sollten natürlich noch Sachen in einigermaßem guten Zustand sein, die auch nützlich sind 😉
    Sprich: Kleidung, Schuhe, Kinderwägen, Bücher (auch: Wörterbücher!), alte Handys etc. etc.

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