Archive for Juni 2013

Wattestäbchen ade!

Ich tue jetzt einen weiteren Befreiungsschlag auf dem Weg zu einem nachhaltigerem Alltag und trenne mich vom nächsten Wegwerfprodukt: Wattestäbchen. Das Thema ist zwar nicht so appetitlich, aber trotzdem einen Post wert.

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Ich habe einmal zu den eingefleischten Q-Tipp-Junkies gehört. Manchmal 2, 3 Wattestäbchen täglich. Doch diese sind nicht nur als Einwegprodukt für die Umwelt schädlich – gerade, da der Schaft oft aus Plastik besteht – sie sind auch noch schlecht für die Ohren. Die Ohrhygiene (was für ein Wort…!) ist Einsatzgebiet Nummer eins für Wattestäbchen. Dabei steht auf jeder Packung, dass man sie nicht im Innenohr anwenden soll. Wir tun es trotzdem – und das kann böse Folgen haben.

Ich spreche hier nicht nur davon, dass ein zu tief eingeführtes Stäbchen das Trommelfell oder andere Teile des Innenohrs beschädigen kann. Ohrenschmalz dient zum Schutz der empfindlichen Haut im Gehörgang, wirkt entzündungsvorbeugend und ist keineswegs schädlich (Quelle). Das häufige Hineinstecken von Fremdkörpern ins Ohr hingegen schon, zumal der Gehörgang mit Hilfe des Schmalzes und feiner Härchen sich natürlich selbst reinigt und die gelbe Schmiere einen Schutz vor Keimen und Bakterien bildet (Quelle).

Mit dem Wattestäbchen drückt man ausserdem den Ohrenschmalz im Gehörgang im schlimmsten Fall derart zusammen, dass ein fester Propfen entsteht (Quelle). Hörsturz, Tinitus, Taubheit, Blutungen, Entzündungen – die Liste der möglichen Folgen ist lang und selbst HNO-Ärzte haben dann Schwierigkeiten, solch eine festgestampfte Masse zu entfernen (und diese Prozedur scheint in etwa so spaßig zu sein wie die Entfernung der Weisheitszähne).

Meine Empfehlung: säubert das Ohr mit einem Flanellwaschlappen und lasst das Innenohr in Frieden. Unter der Dusche warmes Wasser hineinfließen lassen – keine Seife! Bei übermäßiger Ohrenschmalzproduktion nicht zum Wattestäbchen greifen, sondern lieber zum Telefonhörer, um einen Termin beim HNO-Arzt auszumachen.

Stillen: hilfreiche Tees

Stillen ist eine wunderbare Erfindung der Natur und eine schöne Erfahrung für Mutter und Kind. Man sollte sich allerdings nicht dazu genötigt fühlen – jede Frau hat das Recht dazu, es selbst zu entscheiden, was mit ihrem Körper geschieht.

Wer sich entschieden hat, zu stillen, sollte vorab wissen: das ist Arbeit. Vor allem die ersten zwei Wochen. Viel Wasser trinken, reichlich und gut essen und sich Zeit lassen sind wichtig. Hungrige Babys trinken lassen! Stillzeiten und Uhren sind hier fehl am Platz (wie man auf jeder Schafsweide mit Lämmern erkennen kann hat die Natur es so vorgesehen, dass Babys immer trinken dürfen, wenn sie möchten).

Was aber tun bei zu viel oder zu wenig Milch? Tee trinken. Und abwarten:

Bei zu viel Milch:
Eine große Tasse Salbei- oder Pfefferminztee trinken (nicht mehr!). Nach 2-4 Stunden ist alles wieder im Lot. Überschüssige Milch könnt ihr ganz einfach ausstreichen (eine Milchpumpe braucht man nicht unbedingt) und im Schraubglas einfrieren. Wenn Baby einen Wachstumsschub macht, Fieber bekommt oder zahnt, ändert sich oft der Appetit und man ist dankbar, die Milch auf Vorrat parat zu haben. Diese könnt ihr mit einem Löffel, in einem Becher oder mit einer Flasche geben (Glasflaschen von Lifefactory wachsen mit). Salbei- oder Pfefferminze sollte man sonst in der Stillzeit vermeiden (es sei denn, man will abstillen).

Bei zu wenig Milch:
ich habe alle Stilltees und Milchbildungstees hinter mir. Der beste ist von Weleda und ist zwar teuer, funktioniert aber im Gegensatz zu den ganzen anderen sehr schnell und zuverlässig. Mindestens 0,5 Liter davon trinken, und 2-4 Stunden später fließt es wieder (was m.E. am Bockshornklee liegt).

Dazu empfehle ich euch waschbare Stilleinlagen von Sorb & Dry, ein Stillkissen, Schnuller in Kirschkernform und Wollwachs für die Brustwarzen (in den ersten Tagen nach jedem Stillen auftragen, dann wird auch nichts wund).

Tipp: eine kostenlose telefonische Stillberatung rund um die Uhr, wertvolle Hilfen, Kontaktdaten für Stillgruppen vor Ort und Unterstützung bekommt ihr über La Leche Liga. Diese Organisation ist weltweit ehrenamtlich für Babys und ihre Mütter im Einsatz.

Baby-Bäuchlein-Öl selber machen

Wenn Babys und Kinder Bauchweh oder Verdauungsbeschwerden haben, hilft eine kleine Bauchmassage im Uhrzeigersinn mit Kümmelöl.

Wir erstanden unser erstes 50-Milliliter-Fläschen zum Sonderpreis (!) von 7,95 € in der Apotheke, aber künftig ist es sehr viel günstiger für uns geworden – selbstgemacht ist doch am Schönsten!

Ihr braucht:

100 Milliliter Mandelöl
3 Esslöffel Fenchel-Anis-Kümmeltee
1 Teelöffel Koriandersamen
1 Schraubglas

Die Gewürze im Mörser grob zerstoßen und in das Schraubglas gießen. Das Öl etwas über Handtemperatur im Topf erhitzen, über die Gewürze geben. Gut verschlossen mindestens 2 Wochen, besser 4, durchziehen lassen. Dann durch ein feines Sieb gießen, das Öl auffangen und in kleine Flaschen füllen. Hält sich gut ein Jahr und ist natürlich auch für Erwachsene nutzbar.

Lavendelreiniger selber machen

Ich liebe meinen selbstgemachten Zitrusreiniger. Allerdings ist ja auch eine Abwechslung ganz nett; und da ich ein Reinigunsmittel machen wollte, was auch für Marmor, Kalkfliesen und andere Steinflächen geeignet ist, habe ich mir diese duftende, antibakteriell wirkende, kalklösende Mischung ausgedacht. Statt des Alkohols könnt ihr, sofern keine Steinflächen damit geputzt werden sollen, auch Weißweinessig oder vierfach verdünnte Essigessenz nehmen.

Ihr braucht:

30 Gramm Lavendelblüten, frisch oder getrocknet
500 Milliliter Wasser
500 Milliliter Vodka, Weingeist oder Ansatzspirituose

Das Wasser zum kochen bringen. Die Lavendelblüten damit übergießen, abdecken, gut 30 Minuten ziehen lassen. Die Blüten durch ein dünnes Geschirrtuch abseihen und den Sud auffangen. Diesen mit dem Alkohol vermengen. In eine Sprühflasche füllen und in Kombination mit einem Lappen losputzen – Schränke, Fliesen, Böden, Toiletten – wofür nutzt ihr diesen Allesreiniger noch? Ich freue mich über eure Kommentare.

P.S.: wie konventionelle Reinigungsmittel gilt auch für die selbstgemachten Putzwunder: bitte außer Reichweite von Kindern lagern.

Kräuterlikör selber machen

Wer gerne mal Ramazotti, Jägermeister oder anderen Magenbitter nach einem schweren Essen trinkt, kann ihn sich künftig ganz einfach selber machen. Der Likör macht sich übrigens auch gut als Weihnachts- oder Geburtstagsgeschenk.

Ihr braucht:

1 Sternanis
1 Teelöffel getrocknete Pfefferminze
1 Teelöffel getrockneter Salbei
1 Teelöffel getrockneter Rosmarin
1 Pimentbeere
4 Gramm Enzianwurzel (aus der Apotheke)
700 Milliliter Vodka oder Korn
150 Gramm Agavendicksaft oder Honig
200 Milliliter Wasser
Großes Weckglas

Alle Gewürze und Kräuter grob zerstoßen – entweder mit einem Mörser oder in einer Küchenmaschine – und in das Glas geben. Mit dem Alkohol übergießen und das Glas an einen warmen Ort 2 Wochen geschlossen stehen lassen; dabei täglich einmal schütteln oder rühren.

Die Mischung durch ein Geschirrtuch abseihen und den gefilterten Alkohol mit dem Agavendicksaft und dem Wasser in das Weckglas zurückgeben oder in Flaschen füllen. Nochmals mindestens 6 Wochen reifen lassen.

Tipp: Möglich wären auch Kombinationen mit anderen Kräutern und Gewürzen wie Kardamom, Zimt, Löwenzahnblüten, Schafgarbe, Koriander und Ingwer.

Vorsicht, Teelichter!

Teelichter brennen in vielen Haushalten täglich: sie sind klein, günstig, heizen den Tee und sorgen für eine nette Plauderstimmung.

Der ganze Aluminiumabfall ist mir allerdings schon länger ein Dorn im Auge, weshalb ich einmal genauer hingesehen habe. Teelichter. So schlicht. So unscheinbar.

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Woraus besteht eigentlich ein Teelicht? Alunapf, Docht mit Weißblechfuß und weißes Wachs. Was für Wachs? Häufig Paraffin – doch noch günstiger und öfter im Gebrauch sind heutzutage pflanzliches Wachs und Stearin (beides: Palmöl – mehr dazu hier).

Könnt ihr euch vorstellen, was damit das tägliche Abbrennen von Teelichtern für die Umwelt bedeuten könnte? Am Beispiel von IKEAs Kerzenproduktion ging mir ein Licht auf:

„IKEA verbraucht pro Jahr 32.000 Tonnen Palmöl in seiner Kerzenproduktion, für weitere Produkte kommen noch einmal 8.000 Tonnen hinzu. Der Großteil des Palmöls stammt aus Malaysia und Indonesien.“ –Quelle

So werden riesige Urwaldflächen gerodet, damit wir für billiges Ambiente sorgen können. IKEA beruft sich zwar auf das Industriesiegel RSPO (Roundtable on Sustainable Palm Oil); laut Greenpeace ist dies aber nichts als „Etikettenschwindel“:

“ […] Das Siegel lässt zum Beispiel die Rodung von Regenwald für Palmöl durch Lieferanten wie United Plantations zu. „Auch mit Zertifikat ist Palmöl von diesem Unternehmen nicht nachhaltig, sondern eindeutig ein Klimakiller,“ kritisiert Corinna Hölzel, Waldexpertin von Greenpeace.“ –Quelle

Das schwedische Möbelhaus sei hier als Übeltäter zwar in den Vordergund gestellt – aber nicht im Alleingang. Viele „umweltfreundliche“ oder „rein pflanzliche“ Teelichter sowie andere Kerzen aus Drogerien, Supermärkten, Reformhäusern und Bioläden sind nicht besser!

Auch hier gilt für mich: Konsum eindämmen, nachhaltig kaufen. Teelichter gibt es aus Bienenwachs, recycleten Fettabfällen oder Paraffin, allesamt ohne Alunapf, etwa hier zu kaufen.

Bodylotion selber machen

Wo ich gerade gepostet habe, wie man Rosenöl aus frischen Blüten herstellen kann, folgt gleich noch ein Rezept für eine wunderbar duftende, pflegende Lotion. Gerade Zitrus und Rose sind toll für den Sommer, Sanddorn und Lavendel besonders schön für den Winter.

Sie ist flott gerührt, individuell anpassbar (s. Tipp unten) und besteht aus nur drei Zutaten.

Ihr braucht:

150 Milliliter Rosenöl (oder Sanddorn-, Lavendel-, Calendula-, Zitrus– oder Kamillenöl)
5 Gramm Bienenwachs oder Carnaubawachs
100 Gramm Aloe-Vera-Gel

Das Öl mit dem Wachs im Wasserbad erhitzen und kontinuierlich rühren, bis das Wachs sich ganz aufgelöst hat. Dann die Ölmasse vom Feuer nehmen, handwarm abkühlen lassen und das Aloe-Vera-Gel mit einem Schneebesen unterrühren. In Gläser füllen und aushärten lassen.

Tipp: wer es nicht so reichhaltig mag, nimmt 100 Milliliter Öl, 150 Gramm Aloe-Vera-Gel und 4 Gramm Wachs.