Unser Wickeltisch

wickeltisch

Heute möchte ich euch unseren Wickeltisch vorstellen, doch nicht unbedingt in Form eines „Mami-Posts“, sondern vielmehr stellvertretend für Vieles, was wir hier so machen. Es ist also vielleicht auch für diejenigen interessant, die sich mit dem Thema Wickeltisch ansonsten gar nicht angesprochen fühlen.

Zu meinem Post „Ist dieser Lebensstil nicht sehr kostspielig?“ haben viele spekuliert, dass dieser Weg nicht weniger kostenintensiv sei, sondern vielmehr eine Umverteilung der klassischen Ausgaben verlange. Hier möchte ich euch einmal zeigen, wie man aus „nichts“ was machen kann und im Endeffekt doch viel mehr spart, als man meinen könnte.

Die Kommode selber ist eine der letzten Ikeamöbel, die sich bei uns im Haus befinden. Sie tut noch ihren Dienst, ist nicht ganz unpraktisch und ist durch lustige Knäufe von meiner Schwester zumindest etwas individueller gestaltet worden. Sie stand lange im Flur und war mit Bettwäsche gefüllt. Diese haben wir auf das Nötigste reduziert, womit der Rest locker in meinen minimalistisch gehaltenen Kleiderschrank passt.

Das Wickelbrett hat mein Mann aus Holzresten zusammengezimmert, die Wickelauflage ist aus Stoffresten vom Wäschesack nähen gemacht und mit Dinkelspelz gefüllt. Ein ausrangiertes Handtuch der Nachbarin – nicht im Bild, weder Handtuch noch Nachbarin – wirkt als „Stoßdämpfer“ drumherum. Unter dem Wickelbrett liegen Moltontücher zur Abdeckung der Wickelauflage und eine Wickelunterlage für Unterwegs aus Wachstuch.

Über dem Wickeltisch hängt ein selbst gebasteltes Mobile, ein sogenannter „Babyfaszinator“, wie man bei uns in der Familie zu sagen pflegt. Darunter steht eine Rolle komplett biologisch abbaubares Windelvlies und ein selbstgenähtes Utensilo nach dieser Anleitung worin sich Nasensauger, Nagelschere, selbstgemachte Wundschutzcreme mit Heilkreide, selbstgemachtes Calendulaöl zur Babymassage, ein Fieberthermometer mit flexibler Spitze, eine Rassel aus Buchenholz und Flanellwaschlappen befinden.

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In der Kommode selber findet man alles, was man fürs Baby so braucht (hier meine Auflistung der Sachen, die wir fürs Neugeborene nützlich finden). Vieles haben wir vom ersten Kind übrig oder aus den Dachbodenkisten von Verwandten und Bekannten: Strampler, Bodys, Mützen, Pucktücher, Stoffwindeln und Überhosen, selbstgestrickte Socken aus Wollresten, Jäckchen und Spucktücher (die teils unschön fleckig und nicht mehr weiß zu kriegen waren, sodass ich sie einfach blau gefärbt hab – die Textilfarbe hatte eine Freundin noch rumstehen). Gefaltet habe ich fast alles nach der Konmari-Methode, um Platz zu sparen und den Überblick zu behalten. Ausserdem ist hier noch ein Babyphone, ein Schnuller aus Naturkautschuk (falls wir ihn brauchen) und etwas Heilwolle. In den unteren Schubladen befinden sich noch Schlafsäcke, Tragetuch und so weiter.

Gekauft haben wir davon folgendes:

  • Babyphone (gebraucht übers Internet)
  • Schnuller (den hier)
  • Mobile-Bauteile (ohne Plastik)
  • Dinkelspelz zur Füllung der Wickelunterlage
  • Eine kleine Pumphose (gebraucht auf einem Kleiderbasaar)
  • Wickelunterlage für unterwegs (gebraucht auf einem Kleiderbasaar)
  • Windelvlies

Sicher, das zweite Kind ist immer etwas günstiger auszustatten als das Erste, ich versuche mich jetzt aber generell immer zu fragen: Was brauchen wir wirklich? Welche Anforderungen müsste es erfüllen? Gibt es etwas im Haus, was ich umfunktionieren kann oder woraus ich es selber herstellen kann? Gibt es Alternativen? Muss ich es kaufen, oder kann ich es auch anders herbeischaffen, etwa über einen Tausch? Wenn ich es kaufen muss, gibt es das Ding gebraucht? Wenn nicht, möchte ich dieses Produkt und die entsprechende Firma durch einen Neukauf unterstützen? Wenn nein, nochmals: brauche ich das Ding wirklich?

Das Ganze ist zwar natürlich mit Zeitaufwand verbunden. Alles neu kaufen hätte aber sicher genauso viel Zeit, wenn nicht sogar mehr, in Anspruch genommen. Von den Kosten mal ganz abgesehen.

10 responses to this post.

  1. Du bist ja ordentlich! Beneidenswert. Aber zum Thema: so ähnlich haben wir es auch, nur ohne so eine praktische ‚Rumroll-Sperre‘. Mir wäre es nicht in den Sinn gekommen, eine Wickelkommode zu kaufen und wenn man sich die Preise für Echtholzmöbel ansieht, wäre das auch ein ganz schöner Schlag ins Kontor gewesen.
    LG Oli

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    • Kinder sind nunmal ein Wirtschaftsfaktor, da ist die Industrie sehr hinterher, einem was verkaufen zu können… auch wenn so eine Wickelkommode nur ein Jar benutzt wird oder so, echt albern. Zum Punkt Ordnung: danke, ich geb mir Mühe🙂

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      • Posted by Meike on April 22, 2016 at 6:54 pm

        Oh ja. Ich war bei den ersten Kindern (Zwillinge) leider noch nicht soweit. Was für einen aus heutiger Sicht „Blödsinn“ wir gekauft haben, weil wir dachten, das brauchen wir. Bei meiner Schwägerin muss ich mich so zurücknehmen. Das Kind wird mitSpielzeug und Kleidung überhäuft… Wirklich gemerkt haben wir gemerkt, was wir wirklich brauchen, als mein Mann knapp nach der Geburt des dritten Kind plötzlich und unerwartet arbeitslos wurde. Aus der entstandenen Notlage ist der bis heute Anhaltende „“minimalismus light“ entstanden, den wir bis heute auf uns zugeschneidert und angepasst haben. Trotzdem das mein Mann wieder sehr bald arbeit hatte. Wir wurden quasi dadurch aufgeweckt. Übrigens bin ich auch damals ungefähr um diese Zeit auf Deinen Blog gestoßen und finde ihn nachwievor aktuell und zu unserer Situation passend.

      • Unangenehm wenn die Realität einem so ins Gesicht spuckt, aber manchmal auch ganz hilfreich – ich kenne das. Wir haben unsere große finanzielle Not nun auch endlich hinter uns und bleiben trotzdem dabei🙂

  2. Das Mobile wurde letztens bei „Zuhause im Glück“ für die Schlafplätze eines Waldorfkindergartens gebastelt. Da fand ich die Idee auch schon klasse🙂

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    • Ja, es ist sowas waldorfiges – nennt sich“Feenreigen“, ich mag es gern (nenne es aber liebevoll „lauter kleine Kartoffeln spielen mit bunten Tüchern Gespenst“). Kicher.

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  3. So ähnlich sah unser Wickeltisch seinerzeit auch aus. Es war auch eine Ikea-Kommode, auf die wir ein selbst zusammengezimmertes Brett gestellt hatten (war hinten mit Winkeln „eingehängt“, dass es nicht abstürzen konnte). Das Brett haben wir später tatsächlich auf dem Flohmarkt verkaufen können, sodass inzwischen sicherlich viele Babys darauf gewickelt wurden. Die Kommode ist nach oben an meinen Schreibtisch umgezogen. Dank der drei großen Schubladen ist dort nicht nur unser Werkzeugkasten untergebracht, sondern auch Stifte und sonstiges Büro- wie auch Bastelmaterial. Hut ab vor der Ordnung in der Kommode bei dir. Bei mir möchtest du da nicht reinschauen…😉
    LG Anni

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  4. Hallo!

    Du sprichst einen sehr wichtigen Punkt an zum Thema Selbermachen – weil viele sagen, das kostet so viel Zeit. Einkaufen und auswählen kostet auch viel Zeit, vor allem wenn man etwas haben will, das zu seinen Bedürfnissen passt.

    Danke für den tollen Beitrag!

    lg
    Maria

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  5. Hallo,

    Mensch, das ist ja toll. Ich hatte für meine Kinder damals aus Platzgründen nur einen alten Tisch. Der passte gerade zwischen dusche und Fensterbank. Ging auch, runterfallen war so auch nicht möglich, sah aber nicht so toll aus.

    LG von Karin

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  6. Posted by Ianeira on Juni 29, 2016 at 4:55 pm

    Das Windelvlies kann man meist auch ein paar mal waschen, wenn es nur bepieselt ist. Wir waschen es, bis es reißt oder fusselt. Extra Babymöbel haben wir gar nicht, außer dem Bett und das ist geliehen. Gr. 56 war geliehen, 62 getauscht und 68 wird bald gebraucht gekauft. Ein Netzwerk ist einfach Gold wert und die Sachen werden so schön oft getragen. Mullwindeln bekommt man auch von allen enden und Ecken.

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